Historiker warnt vor Spannungen mit Slowenien

30. März 2002, 10:41
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Kommissionsmitglied Stuhlpfarrer sprach über AVNOJ- Bestimmungen

Wien - Das Mitglied der österreichisch-slowenischen Historikerkommission Karl Stuhlpfarrer warnt davor, an Slowenien die Forderung zu stellen, die Beschlüsse des "Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens" (AVNOJ) "völlig über Bord zu werfen". Die Verfügungen seien ein "Ergebnis des verbrecherischen Krieges Nazi-Deutschlands", betonte der Wiener Uni-Professor für Zeitgeschichte, am Samstagmorgen im ORF-Radio.

Die AVNOJ-Beschlüsse von 1944, auf deren Grundlage nach Kriegsende rund 30.000 Deutschsprachige enteignet wurden, seien, so Stuhlpfarrer, nicht explizit zum Forschungsgegenstand der Kommission erklärt worden, die auf Initiative der Außenminister Österreichs und Sloweniens gebildet wurde. Auch sei kaum mit neuen Erkenntnissen zu rechnen. Es handle sich dabei um ein "loses Zusammentreffen von Historikern aus beiden Ländern", die nach einem vorgegegeben Plan der politischen Auftraggeber bis 2003 "eine Art Sammelband" zusammenstellen, sagte der Historiker.

Adressaten der Enteignungsbestimmungen seien nicht nur unschuldige Angehörige der deutschsprachigen Minderheit gewesen, sondern alle Kriegsverbrecher und auch neutrale Ausländer, meinte Stuhlpfarrer. Die Enteignungen hätten nicht nur die Falschen getroffen. Die AVNOJ- Bestimmungen sollten deshalb - ebenso wie die tschechoslowakischen Benes-Dekrete - nur nicht insofern in Geltung bleiben, als sie "Leute, die in diesen Ländern leben oder wieder leben wollen, diskriminieren". (APA)

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