Pariser Auktions und Salon-Marathon

29. März 2002, 23:40
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Zeichnungsauktionen und der Pavillon des Antiquaires

Was zufälliges oder gezieltes Zusammenfallen von Daten für die Dynamik des Kunstmarktes bedeuten, erwies sich in den letzten vierzehn Tagen in Paris. Ausgehend vom 11. Salon du dessin, dessen 25 Aussteller die ganze Stadt "aufs Papier" brachten, boten Museen hochinteressante Ausstellungen und Auktionshäuser Handzeichnungs-Versteigerungen.

Dazu kam der Bombenerfolg der ersten Pariser Printfair, dem Salon international de l'estampe (22.-25.3.), dessen 34 Aussteller (darunter die Kleine Galerie Wien im nächsten Jahr wieder in den Espace Auteuil kommen möchten. In den Tuilerien stellt der Pavillon des Antiquaires et des beaux arts vom 23.3.-1.4. wieder seine Zelte auf, wo die (meist) zweite Generation der Antiquitätenhändler eine neue Käuferschicht anziehen will.

Zur Eröffnung schoben sich die Menschenmassen durch die verdunkelten Gänge, die Aussteller waren selten disponibel und wenn man von ihrer Nervosität bis schlechter Laune ausgeht, wurden kaum Verkäufe abgeschlossen. Was die zum Dialog bereiten wenigen Ausnahmen übrigens bestätigten. Amüsanterweise stellten sich die cleveren Galeristen des Pavillon auf die angereisten Sammler von Handzeichnungen und Fotografie ein. Flore, Paris, zeigt - über ihren Möbeln - ein Ensemble von Ornament- und Architektur-Zeichenentwürfen vom XVIII. Jahrhundert bis André Arbus (1903-1969), das von 400 bis 3.800 Euro pro Blatt kostet. Der Antiquar Rodolphe Chamonal zeigt erstmals seine Fotos, der auf Malerei spezialisierte Albert Loeb bietet Fotos von Denise Colomb an.

Die Vielfalt des Pavillon will es, eklektisch bis zum geht nicht mehr zu sein: neben Stammeskunst trifft man auf zeitgenössische Malerei oder Altmeister, der Brüsseler Yves Macaux bietet österreichische Möbel in der Folge von Joseph Hoffmann, Mermoz präkolumbianische Skulpturen und Jean-Luc Mechiche einen chinesischen Schrank für 1,5 Millionen. Das große Geld war zuvor bei Christie's, PIASA und Tajan für Handzeichnungen ausgegeben worden: Hubert Roberts Kreidezeichnung eines Künstlers ging für 534.750 Euro an Artemis, der auch Francesco Guardis Venedig-Federzeichnung von 1782 für 314.750 Euro für sich entschied. Christie's Gesamtumsatz betrug 4,1 Millionen Euro für 284 verkaufte Lose. Spitzenblatt bei Tajan war Nicolas Poussins Zeichner in einer Landschaft für 188.870 Euro.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.3. / 1.4. 2002)

Von
Olga Grimm-Weissert

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