Das Ausbleiben der Rekorde

29. März 2002, 23:30
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Deutlich weniger Umsatz in der ersten Dorotheums- Auktionswoche

Rein rechnerisch musste die neue Geschäftsführung des Dorotheums und mit ihr die Expertenschaft eine Umsatzeinbuße von fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. 2001 lukrierte man mit der ersten Auktionswoche des noch mehr als 5,1 Millionen Euro, 2002 wechselten Kunstwerke aus verschiedenen Sparten für 4,7 Millionen den Besitzer. Allerdings entspricht es dem Trend verhaltener Nachfrage, auch, weil die wirklichen Highlights durch Abwesenheit glänzten.

Vor allem blieben Rekorde aus, was sich mit rund 1,3 Millionen Euro weniger Umsatz recht deutlich niederschlug (2001: 4,36 Mio; 2002: 3,09 Mio). Im Einzelnen waren natürlich beachtliche Zuschläge zu verbuchen: An einen Wiener Sammler gab man die mit 110.000 Euro hoch dotierte Bewaldete Flusslandschaft Jan Wynants ab. Die Steinerne Kartusche mit Fruchtgirlanden mit Bacchus und Ceres von Joris van Son wechselte bei 90.000 Euro den Besitzer. Für 120.000 Euro sicherte sich ein Sammler aus Florida die Mona-Lisa-Kopie aus dem 17. Jahrhundert - der höchste aber für die Saison hoffentlich nicht symptomatische Hammerpreis.

Viel Beachtung fand das Angebot von "Altmeisterzeichnungen, Aquarellen, Miniaturen und Druckgrafik bis 1900"; in letzterer Kategorie beim Doppelten der angesetzten Taxe für 7.000 Euro Rembrandts Radierung einer Nackten Frau mit Füßen im Wasser ebenso in Schweizer Besitz wie das Toplos der Auktion. Auf das farbfrische Aquarell des Doms von Pisa samt Baptisterium und schiefem Turm, 1890 von Franz v. Alt entfiel bei 7.500 Euro der höchste Zuschlag. Aber auch bei angewandter Kunst geriet das Auktionatorenhämmerchen gehörig ins Schwingen.

Während das Spitzen- und Coverlot der Sparte Glas & Porzellan vergeblich krähte - die Teekanne Johann Joachim Kändlers blieb bei einer Taxe von 6.500-11.000 Euro unbeboten - sorgte ein sechsteiliges Glasfenster für die Überraschung des Tages: Die prachtvollen, mit biblischen Szenen geschmückten Glasunikate aus dem 19. Jahrhundert, gefertigt in der Mayerschen Kunstanstalt in München wechselten im Rahmen der angesetzten Taxen bei 61.000 Euro in den amerikanischen Handel. Insgesamt belief sich das Ergebnis hier, bei einer Verkaufsquote von 56 Prozent auf knapp 485.000 Euro, womit ein besserer Umsatz als in den Jahren zuvor eingefahren werden konnte (2001: 378.000).

Den finalen Höhepunkt verbuchten Skulpturen mit einem Salär von fast 213.000 Euro für sich. Eine süddeutsche Eva aus dem Paradies stieg bis auf 18.000 Euro, das Kataloglos - die italienische Renaissancebüste eines jungen Mädchens - blieb mit 13.000 Euro hinter den Erwartungen zurück.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.3. / 1.4. 2002)

Von
Olga Kronsteiner


dorotheum.at

  • Jan Wynants, 
Bewaldete Flußlandschaft
    foto: dorotheum

    Jan Wynants, Bewaldete Flußlandschaft

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