Hewlett klagt gegen HP-Fusion

29. März 2002, 22:37
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Sohn des Mitgründers beschuldigt das Management, Stimmen gekauft zu haben

Die Fusion von Hewlett Packard (HP) und Compaq beschäftigt jetzt auch die Gerichte. Wie in einem Teil der gestrigen Ausgabe berichtet, reichte Walter Hewlett, Sohn eines der beiden Gründer, Aktionär und dissidentes Mitglied des Board of Directors von HP, am Donnerstag in Delaware eine Klage gegen das Unternehmen ein. Darin wird das Management beschuldigt, dass es Aktionärsstimmen quasi gekauft habe. Das Gericht soll die Fusion für nichtig erklären oder zumindest eine neue Hauptversammlung einberufen.

Stimmen

Kern der Klage ist das Stimmverhalten eines großen Aktionärs, der Deutsche Asset Management, eine Tochter der Deutschen Bank. Dieser Aktionär hatte sich vor der Hauptversammlung gegen die Fusion entschieden, in letzter Minute jedoch mit einem großen Teil seines Aktienpakets dafür gestimmt.

Details

In der Klage wird die Chronologie einer Vereinbarung zwischen HP und Deutsche Bank beschrieben, mit der die Aktionäre von HP "hintergangen" worden wären. Nach Darstellung von Hewlett hätte sich die Deutsche Asset Management "am oder vor dem 15. März" gegen die Fusion entschieden; am 15. März hätte HP mithilfe der Deutschen Bank eine Kreditvereinbarung über mehrere Milliarden Dollar getroffen. "Der Deutschen Bank wurde zu verstehen gegeben, dass eine Gegenstimme ihre Geschäftsbeziehungen mit HP gefährden würde", behauptet Hewlett.

HP wies diese Anschuldigung zurück und erklärte ihr Bedauern, dass Hewlett ohne Rücksicht auf die Auswirkungen für Unternehmen und Mitarbeiter zu falschen Anschuldigungen greife.

Knapper Sieg

Das Ergebnis der Hauptversammlung am 19. März war sehr knapp. HP-Chefin Carly Fiorina hatte nach einer vorläufigen Stimmzählung den Sieg für das Vorhaben erklärt, Compaq aufzukaufen. Walter Hewlett hatte zu diesem Zeitpunkt nicht seine Niederlage eingestanden, vor wenigen Tagen jedoch sanftere Töne angeschlagen und davon gesprochen, dass er die Fusion loyal unterstützen werde, sobald das Ergebnis endgültig sei.

Bei Compaq alles klar

Die offizielle Auszählung der Stimmen, die von einem darauf spezialisierten Unternehmen in Delaware (dem Gerichtssitz) vorgenommen wird, wird jedoch noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Die Aktionärsversammlung von Compaq hatte am Tag nach der HP-Abstimmung die Fusion mit klarer Mehrheit gebilligt.

alles nochmal?

Nach Auffassung von Juristen könnten die Anschuldigungen Hewletts zur Aufhebung des Abstimmungsergebnisses führen. Allerdings sei ein definitiver Zusammenhang zwischen Geschäftsvereinbarungen und Abstimmungsverhalten nur schwer zu beweisen. (spu / DER STANDARD Printausgabe, 30./31. März 2002))

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