Arafat ohne Telefon, Wasser und Strom

30. März 2002, 12:43
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Andauernde Gefechte vor Amtssitz in Ramallah - Israels Armee in Beit Jala und in Rundfunksender eingerückt

Ramallah - Die israelische Armee hat den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat 24 Stunden nach dem Einmarsch der Armee in Ramallah vollständig von der Außenwelt isoliert.

Nach übereinstimmenden palästinensischen Berichten vom Samstag funktioniert inzwischen auch das Mobiltelefon Arafats nicht mehr, mit dem er am Freitag noch Kontakt zu ausländischen Regierungen und Medien aufnehmen konnte. Arafat habe in den beiden Büroräumen, die die israelische Armee bisher nicht besetzt habe, auch keinerlei Lebensmittel.

Am Samstagmorgen ist es vor dem Amtssitz zu neuen schweren Gefechten gekommen. Die Armee hatte nach dem Sturm des Hauptquartiers Strom, Wasser und normale Telefonverbindungen gekappt. Die USA haben von Israels Premier Ariel Sharon die Zusage, dass Arafat nicht nach dem Leben getrachtet werde.

Nach wie vor befinden sich nach palästinensischen Angaben verletzte Palästinenser auf dem Gelände des Hauptquartiers. Sie könnten jedoch nicht geborgen werden, weil die Armee Krankenwagen den Zugang verwehre.

Ausländer-Evakuierung geplant?

Israel hat nach palästinensischen Angaben Ausländer zum Verlassen der Autonomiegebiete aufgefordert. Im Hinblick auf eine angeblich geplante "vollständige Besetzung" aller Städte in den Palästinensergebieten habe die israelische Armee ausländischen Militärattaches in Tel Aviv angewiesen, ihre Bürger zum Verlassen des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens aufzufordern, sagte der palästinensische Minister für internationale Zusammenarbeit, Nabil Shaath, am Samstag in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Rundfunksender besetzt

Die israelische Armee besetzte am Samstag das Gebäude des Rundfunksenders "Stimme Palästinas" im Ramallah, wie ein Rundfunkjournalist berichtete. Ein israelischer Soldat habe die Journalisten per Mikrofon zum Verlassen des Hauses aufgefordert. Anschließend seien Soldaten in alle Räume eingedrungen. Zwei Panzer seien vor dem Gebäude postiert, berichtete der Journalist.

Israelische Panzer drangen am späten Freitagabend in die christliche Kleinstadt Beit Jala, südlich von Jerusalem, ein. Dort besetzten sie mehrere Häuser, von denen aus nach israelischen Angaben Häuser in der jüdischen Großsiedlung Gilo beschossen worden waren.

Ramallah vorsorglich teilgeräumt

Im Zentrum Ramallahs ergaben sich am Morgen etwa 25 Palästinenser, darunter mehrere Polizisten, die zuvor stundenlang von israelischen Soldaten in einem großen Gebäude belagert worden waren.

Der palästinensische Minister für Kommunale Fragen und frühere Chefunterhändler, Saeb Erekat, hatte am Nachmittag gegenüber Al Jazeera erklärt, Arafat habe bereits am Donnerstag bis auf seine engsten Mitarbeiter alle zum Verlassen des Gebäudes aufgefordert.

Beim Sturm auf Arafats Hauptquartier hatte die Armee nach israelischen Berichten unter anderem mehrere Palästinenser festgenommen, die Arafat im Zusammenhang mit der Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehavam Zeevi auf Druck Israels dort festgehalten hatte. Der Vorsitzende der Volksfront für die Befreiung Palästinas, Ahmed Saadat, sei jedoch nicht darunter, hieß es aus palästinensischen Kreisen. (APA/dpa)

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