Neue Häuser: Teilen lohnt sich

29. März 2002, 21:00
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Architektur nach ökologischen, sozialen und ökonomischen Kriterien lässt sich auch im Kleinen ganz leicht realisieren, wenn sich die richtigen Partner finden.

Was bringen der Klimabilanz Niedrigenergiehäuser an den Ortsrändern, wenn täglich notwendige Autofahrten zu Arbeitsplatz, Schule, Kindergarten und Supermarkt jeden Energiespareffekt zunichte machen? Dennoch ist es erfreulich, dass die einzelnen Bundesländer in ihren Wohnbauförderungs-Richtlinien verstärkt auf energiesparende Bauweisen setzen. Die Zersiedelung schreitet dennoch munter voran und solange Platz genug ist, schrecken offenbar auch hohe Grundstückspreise und Aufschließungskosten kaum jemanden vom frei stehenden Traumhaus ab.

Sparsame Qualität

Dass sparsamer Umgang mit Ressourcen aller Art keine Einschränkung bedeuten muss, sondern die Wohnqualität beträchtlich steigern kann, zeigt das Haus zweier Familien in Attnang. Am Ortsrand, aber dennoch nah am Bahnhof und inmitten einer grünen Umgebung gelegen, vereint der Bauplatz eine Menge Vorteile und gestattet die Erledigung täglicher Wege zu Fuß oder per Fahrrad. Bauparzellengrößen um die 800 m² reichen üblicherweise für Haus und Garten einer Durchschnittsfamilie. Von Anfang an war Familie K. klar, dass sie leicht mit weniger auskommt und beauftragte beim Architekturbüro junger-beer ein Doppelwohnhaus in möglichst ökologischer Bauweise, noch ehe die "Partner-Bauherren" gefunden waren. Die stießen in der Phase der Einreichplanung dazu und bewohnen nun die zweite Hälfte des von Martin Junger und Stefan Beer zu einem gut auf Ort und Nutzer abgestimmten Hauses. Für klare Besitzverhältnisse sorgt ein Wohnungseigentumsvertrag.

Der kompakte zweigeschoßige Baukörper öffnet sich erdgeschoßig im Südwesten über großflächige Fronten aus Wärmeschutzglas (k-Wert 0,7) zum Garten. An beiden Seiten flankieren überdachte Terrassenbereiche mit je einem dahinter liegenden Werkstatt- bzw. Hobbyraum die Wohnbereiche. Auf dem luftig wirkenden Erdgeschoß ist das mit einer sägerauen Lärchenschalung verkleidete Kinder- und Schlafzimmergeschoß aufgesetzt. Die Holzriegelkonstruktion ist 30 cm dick mit Zelluloseflocken, das Dach mit Steinwolle (40 cm) gedämmt. Zwischenwände aus ungebrannten Lehmziegeln dienen als Wärmespeicher und sorgen für den Feuchtigkeitsausgleich. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und vorgeschaltetem Erdkollektor verteilt die Wärme und gewährleistet stets frische Raumluft. Im Sommer wird der Erdkollektor zur Hauskühlung eingesetzt. Zukunftsweisende Haustechnik allein ist nicht alles: Ein räumlich großzügig wirkendes Inneres mit angenehmer Atmosphäre komplettiert das Wohnvergnügen. Entlang eines Baches mit dichtem Uferbaumbestand ist das flache, lang gestreckte Haus stimmig in die Umgebung eingefügt. Die Terrasse kragt ein wenig über der Uferböschung aus und schafft so eine enge Anknüpfung des Hauses an die gewachsene Natur.

Was beim Wohnen unter einem Dach leicht auf der Strecke bleiben kann, sind Individualität und Privatsphäre. Aus diesem Grund trennt ein mit roten Holzbrettern verschalter "Schuppen", der zwischen den beiden Eingangsbereichen durch das Haus sticht, den Garten. Als Sichtschutz mit Inhalt birgt er Stauräume für jede Familie sowie einen gemeinsamen Erdkeller.

Eine schwere Bronzestatue auf der Küchenbar zeugt von der offiziellen Anerkennung, die dem Projekt bereits zuteil wurde. Es handelt sich um einen im Rahmen des Energy Globe Award 2002 vergebenen Preis für nachhaltige Energielösungen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.3.2002)

Von Franziska Leeb

Architekturbüro junger-beer, Schönbrunner Straße 28/18 1050 Wien, Tel.: (01) 585 23 34,
LINK:
www.jungerbeer.at

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