Das Ende der "Mischhäuser"

29. März 2002, 22:59
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Das neue Wohnungseigentums- gesetz bringt eine Reihe von Änderungen

Das neue Wohnungseigentumsgesetz (WEG) wird mit 1. Juli in Kraft treten und eine Reihe von Änderungen mit sich bringen. So gibt es derzeit zahlreiche so genannte "Mischhäuser", in denen einige Wohneinheiten Eigentums-, der Rest Mietwohnungen sind. Künftig muss in einem Haus, in dem es eine oder mehrere Eigentumswohnungen gibt, allen Mietern die Wohnung zum Kauf angeboten werden. Jede Einheit wird als Eigentum gezählt, was der Verwaltungsvereinfachung dienen soll.

"In bestehende Rechtsverhältnisse wird nicht eingegriffen, ein Mieter kann also nicht gezwungen werden, die Wohnung zu kaufen", versichert ÖVP-Bautensprecher Walter Tancsits. Es gelten die gleichen rechtlichen Regelungen wie bei einem Eigentümerwechsel. Tancsits schätzt, dass alleine aus dem Bestand der Gemeinnützigen in den nächsten Jahren "einige Zehntausend solcher Wohnungen" auf den Markt kommen.

Eigentum ohne Ehe

Eine weitere Änderung betrifft die Möglichkeit für Nichtehepartner, gemeinsam eine Eigentumswohnung zu erwerben. Gemeinsames Wohnungseigentum konnte bisher nur von Ehegatten in Anspruch genommen werden. Künftig wird es auch zwei "natürlichen" Personen, also etwa Lebensgefährten, offen stehen, gemeinsam Eigentum zu erwerben. Auch für mehr als zwei natürliche Personen - etwa Geschwister - soll es nun möglich sein, in Form einer "eingetragenen Erwerbsgesellschaft" Wohnungseigentum zu erwerben.

Kfz-Abstellplätze können künftig leichter neue Besitzer bekommen. Priorität beim Erwerb eines Abstellplatzes genießen für drei Jahre ab Begründung des Wohnungseigentums Personen, die eine Wohnung auf der betreffenden Liegenschaft erstanden haben. Nach dieser Frist können auch "hausfremde" Personen zum Zug kommen.

"Vorratsteilung"

Mit dem WEG 2002 wird auch die Begründung von Wohnungseigentum durch den Alleineigentümer, die so genannte "Vorratsteilung", ermöglicht. Dem verkaufswilligen Alleineigentümer einer Liegenschaft soll durch die neue Rechtsform des "vorläufigen" Eigentums dazu verholfen werden, potenziellen Käufern bereits einen Miteigentumsanteil anbieten und verkaufen zu können.

Eine weitere Neuerung besteht darin, dass ab Juli Wohnungseigentum auch an Substandardwohnungen begründet werden kann. Damit sollen Investitionen in solche Wohnungen attraktiver gemacht werden.

In Zukunft sollen alle zwei Jahre Eigentümerversammlungen abgehalten werden, die die Kontrolle der Verwaltung stärken sollen. Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft sind sowohl durch Anschlag im Haus als auch durch schriftliche Übersendung an die Eigentümer zur Kenntnis zu bringen. Um Modernität zu demonstrieren, ermöglicht der Gesetzgeber diese Übersendung sogar per E-Mail.

Vom Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI) gibt es in einigen Punkten Zustimmung. Die Abstellplatz-Regelung oder die Möglichkeit der Eigentumsbegründung durch einen Alleineigentümer würden "den Bedürfnissen der Praxis entsprechen", sagte ÖVI-Präsident Thomas Malloth. Wenig Freude hat er allerdings mit der Verkürzung der Befristbarkeit von Verwaltungsverträgen auf drei Jahre, da diese die Geschäftstätigkeit des Hausverwalters beeinträchtigen würde. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.3./1.4.2002, zwi)

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