Frankreich: Chirac-Kritik nach Amoklauf

30. März 2002, 17:22
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Den Ermittlern seien Warnsignale entgangen - Ergebnisse der Untersuchung nicht vor Trauerfeier am Dienstag

Paris - Nach dem Selbstmord des Amokläufers von Nanterre am Donnerstag wird in Frankreich nach den Verantwortlichen für den Todessprung des 33-Jährigen aus dem Pariser Justizpalast gesucht. Staatspräsident Jacques Chirac kritisierte, den Ermittlern seien "Warnsignale" entgangen, die auf die geistige Verwirrung des Täters hingedeutet hätten. Es sei "nicht normal", dass die Strafverfolgung damit beendet. Chirac wich aber der Frage aus, ob er damit die Entlassung von Innenminister Daniel Vaillant fordere. Vaillant sagte am Freitag, die gemeinsamen Untersuchungen des Pariser Innen- und Justizministeriums müssten jetzt klären, wer für die Umstände des Selbstmordes verantwortlich sei.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.3./1.4. 2002, dpa)

Warten auf Untersuchungsergebnisse

Chirac und Premierminister Lionel Jospin werden neben weiteren hohen Politikern am Dienstag an der Trauerfeier für die acht Opfer des Amokläufers Richard Durn in Nanterre teilnehmen. Die kommunistische Bürgermeisterin des Vorortes von Paris, Jacqueline Fraysse, bereite eine Würdigung der getöteten Kommunalpolitiker vor, teilte das Bürgermeisteramt von Nanterre am Samstag mit.

Die Untersuchungen über die Umstände, die den Selbstmord Durns ermöglicht haben, werden in der kommenden Woche abgeschlossen sein, teilten Pariser Justizkreise am Samstag mit. Die Ergebnisse sollten jedoch in keinem Falle vor der Trauerfeier veröffentlicht werden. Am Freitag war bekannt geworden, dass in der ersten Untersuchungsphase keine "schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden seien. Zwei der Opfer des Amokläufers werden am Samstag beerdigt. Ein schwer verletztes Stadtratsmitglied liegt unterdessen noch immer im Koma. (APA/dpa)

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