Dämonen, Kobolde, Elementargeister

31. März 2002, 10:00
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... und der Vogel Elbertrötsch - ein kleines Lexikon des Volksglaubens

Ein wilder Haufen von Wesen aus anderen Dimensionen fällt über uns her seitdem das Pottersche respektive cineastisch wieder aufgewärmte Tolkiensche Universum in kindliche Fantasien Einzug halten durfte. Mit verkaufsstrategisch eingesetztem niedlichem Kindchenschema versehen, tölpeln sie von der Kinoleinwand herab: Zwerge, Elfen, Kobolde, Trolle.

An der Virtuosität eines J. R. R. Tolkien oder einer J. K. Rowling sei hier nicht gerüttelt, aber erfunden haben sie es nicht, das Gelichter. Wer hinter den Fantasy-Hype blicken möchte, der muss nicht weit gehen. Tief im Volksglauben verankert, im Dunkel von Ställen, Stuben und Scheunen hocken sie, die Dämonen, Hausgeister, und lassen sich nur mehr mit spitzer Feder einfangen. Der Ethnologe Leander Petzold hat dies gemacht, systematisch hat er sie gesammelt wie andere es mit Schmetterlingen tun. In seinem Buch Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister nennt er sie bei ihren vielen Namen. Das "Purzinigel" ist da, die Tiroler Version des Rumpelstilzchens und die eingeschworenen Potter-Fans vertrauten, schönen Windgeister "Vilen", slawische Sagengestalten. Den Vogel Elbertrötsch wird man kaum in Schönbrunn bewundern können, ebenso wenig die Habergeiß - wir können froh sein, jagt sie doch als Schreckgespenst verirrte Wanderer in den Wahnsinn.

Verirren wird man sich umso lieber in dem als Taschenbuch erschienenen Nachschlagewerk - unterhaltsam und aufklärend schafft es einen Brückenschlag zwischen der Welt der trendigen Kinderzimmer- Heroen und dem alten Volksglauben, der vergessen zu werden droht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31. 3. 2002)

Von Maria Angela Pieta

Leander Petzold: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister.

EURO 10,20/216 Seiten. Beck'sche Reihe, München 1999.
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