Saisonier-Regelung: Faules Ei - Monika Bachhofer

29. März 2002, 18:51
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Ohne René Magritte in Misskredit bringen zu wollen: Sein Bild mit der langen Reihe von Türen kommt einem als eine der ersten Assoziationen in den Sinn, wenn man die geplante Regelung der Koalition für Saisoniers genau betrachtet. So wie der Surrealist in seiner Bildsprache demonstriert, dass Realität und Bildwiedergabe nicht miteinander verwechselt werden dürfen, ist man auch - je mehr Details bei genauer Recherche auftauchen - gut beraten, Realität und Präsentation des VP-FP-Integrationspaketes auseinander zu halten: Auf der einen Seite die Garantieerklärungen des Duos Westenthaler/ Khol, dass ein beschränktes Saisonierkontingent strikt eingehalten werde; auf der anderen Seite eine sich klar abzeichnende Reihe geschickt eingebauter offener Hintertüren.

Warum beim Thema Ausländerbeschäftigung so ungeniert zweigleisig gefahren wird, liegt auf der Hand. Die "Garantien" sollen tumben Zuwanderungsgegnern einen FP-Erfolg signalisieren, während die Hintertüren die Industrieklientel befrieden sollen, die sich schon lange darüber erregt, dass außer Tourismus und Landwirtschaft niemand so locker immer mehr und immer billigere Ausländer einsetzen durfte.

Bleibt es bei den geplanten Aufstockungen bzw. Aufweichungen, gehen die Saisonier-Schleusen aber bald für alle Branchen auf - und zwar relativ unbeeindruckt von der aktuellen Arbeitsmarktsituation oder davon, ob die jeweilige Branche überhaupt mit einer Saison argumentieren kann. Betriebswirtschaftlich findet für die Unternehmen damit Ostern und Weihnachten faktisch gleichzeitig statt. Volkswirtschaftlich gesehen ist das jedoch ein ziemlich faules Ei: Kann damit doch der Druck auf den Arbeitsmarkt wachsen, das Lohnniveau gesenkt und Qualifizierungsbemühen untergraben werden. (DER STANDARD, Printausgabe 30.3.2002)

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