Sharon vs. Arafat: Triumph der Sinnlosigkeit

29. März 2002, 19:11
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Ein Kommentar von Gudrun Harrer

Der Weg des Triumphs der Sinnlosigkeit im Nahen Osten birgt keinerlei Überraschungen mehr: Dass das nächste, noch schlimmere palästinensische Selbstmordattentat kommen würde, wusste man vor Netanya - ebenso, dass sich nach dem Pawlowschen Gesetz danach die israelische Militärmaschinerie in Bewegung setzen würde. Sharons läppische Conclusio vom "Feind" Arafat, der "nun isoliert" werde, Arafats lächerliches Gebrabbel vom Märtyrertod, den er zu sterben bereit sei: Politiker vom Schlag Sharons sind sich und ihrem Volk selbst Feinds genug, und Arafat wird höchstens als Märtyrer seiner eigenen katastrophalen Politik oder besser seiner totalen Politikunfähigkeit sterben.

Am Freitagnachmittag rechnete man noch eher damit, dass Israels Premier die den USA gegebene Zusage, sich nicht physisch am Palästinenserführer zu vergreifen, einhalten würde, aber die Gelüste, Yassir Arafat zumindest wieder ins Exil zu zwingen, steigen. Aus Europa und aus dem Rest der Welt kam der übliche Chor der Stimmen, die Arafat als ihren legitimen Gesprächspartner auch für die Zukunft bestätigen. Und aus den USA kam zunächst einmal Schweigen, das nicht einmal beredt war: Auch in Washington weiß man nicht weiter, die jetzige Situation ist letztlich ebenso ein Schiffbruch der US-Diplomatie.

Was US-Emissär Anthony Zinni während der letzten Tage und Wochen zu erreichen versuchte - eine Zustimmung Arafats zum zuletzt von Israel zum eigenen Vorteil zugespitzten Tenet/ Mitchell-Fahrplan -, wurde von diesem gestern, in Erwartung des israelischen Angriffs, auf dem Silbertablett präsentiert. Doch niemand in Israel wollte sie mehr haben, genauso wenig wie die historische "Erklärung von Beirut" der Arabischen Liga. Israelische Politiker pflegen sich darüber zu mokieren, dass Arafat "keine Gelegenheit versäumt, eine Gelegenheit zu versäumen". Vor diesem Fehler sind auch sie nicht gefeit. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 29.3./30.3./1.4.2002)

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