Stürmisches Wachstum

29. März 2002, 18:58
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Studie: Windkraft in Europa vor Wachstumsschub - Biomasse bleibt hinter Erwartungen

Wien - Erneuerbare Energieträger haben in Europa eine rosige Zukunft, die steilsten Zuwachsraten in der EU wird dabei die Windkraft einfahren können. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Unternehmensberaters Frost & Sullivan (F&S).

Während die Windkraft stärker zulegen werde als von der EU angenommen, hätten die Zuwächse bei der Biomasse, die in Österreich wegen des Mangels an Wind forciert wird, ihren Höhepunkt schon erreicht. In den nächsten Jahren sei mit einem Rückgang der Zuwachsraten zu rechnen.

Die EU-Zielerwartung für die Windkraft im Ausmaß von 40 Gigawatt (GW) im Jahr 2010 sei viel zu niedrig: "Unsere Prognosen lauten auf eine installierte Kapazität von rund 63 GW im Jahr 2010 und von knapp 145 GW im Jahr 2020", meint F&S-Energieexperte Harald Thaler. Ende des Vorjahres betrug die installierte Leistung 16,5 Gigawatt.

Neue Technologie

Möglich werde der Boom auch durch die technologische Weiterentwicklung bei den Windturbinen. Derzeit beträgt die Leistung der größten Anlagen 3000 Kilowatt, Räder für Offshore-Anlagen mit 5000 Kilowatt sind in Entwicklung.

Die steilen Zuwächse bei der Windkraft, besonders in den Schlüsselländern wie Deutschland, Dänemark und Spanien, würden ihrerseits wieder für eine verstärkte Nachfrage sorgen, weil die Kosten der Anlagen und damit der Stromproduktion deutlich zurückgehen. Was noch hinzu kommt: Wird Ökostrom billiger, steigt die Bereitschaft der Kunden, dafür etwas tiefer in die Tasche zu greifen.
Laut F&S wird die Windkraft der Hauptprofiteur der zahlreichen Subventionsprogramme, der Einführung von Ökozertifikaten und der im Vergleich sehr hohen Tarife für die Einspeisung in das Netz sein. Zusätzliche Impulse für erneuerbare Energie (Wind, Sonne, Biomasse, Kleinwasserkraft) gehen vom Kioto-Klimaschutzabkommen aus: Ohne die Erneuerbaren zu forcieren, ist eine achtprozentige Reduktion der Treibhausgase in der EU kaum zu erreichen. Motor der Entwicklung seien aber die Ökoauflagen der EU.

Gemäß einer Direktive soll der Anteil von Ökoenergie an der Stromerzeugung von jetzt unter 14 Prozent bis zum Jahr 2010 auf über 23 Prozent zulegen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die Mehrheit der EU-Länder noch ordentlich Dampf beim Ausbau der erneuerbaren Energie machen. So muss Österreich den Anteil an erneuerbarer Energie bis zum Jahr 2010 verdoppeln. Er soll von 10,7 Prozent im Referenzjahr 1997 auf über 21 Prozent klettern. Im Stromgesetz ist ein Anteil von Ökostrom von zehn Prozent festgeschrieben. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 30.3.2002)

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