Bahnwerbung: ÖBB und Verkehrsbüro beenden Uraltstreit

29. März 2002, 18:54
posten

Noch heuer Gründung eines Joint Ventures geplant

Wien - Im jahrelangen Streit zwischen ÖBB und Österreichischem Verkehrsbüro um die Vermarktung von Werbeflächen in Bahnhöfen und auf Zügen zeichnet sich eine Lösung ab. Statt sich gegenseitig zu blockieren, wollen beide Unternehmen kooperieren und noch in der zweiten Jahreshälfte mit einem Gemeinschaftsunternehmen durchstarten.

"Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit den ÖBB", sagte Verkehrsbüro-Chef Rudolf Tucek dem STANDARD. Dies bestätigt man auch im Büro von ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde. "Im Detail müssen wir uns aber noch finden", hieß es.

Umstrittener Verteilungsschlüssel

Ursache des seit 1998 gerichtsanhängigen Streits ist ein Verteilungsschlüssel, der dem Verkehrsbüro 70 Prozent der Einnahmen aus der Bahnwerbung zusichert, den ÖBB aber nur 30 Prozent. Die Bahnwerbung wurde 1946 in Form einer Sachanlage in das damals ebenfalls staatliche Verkehrsbüro eingebracht. Aus diesem Vertrag leitet das Verkehrsbüro das Recht ab, auf Dauer seines Bestehens die lukrative Bahnwerbung vermarkten zu können. Die ÖBB sehen das jedoch anders.

Als das Verkehrsbüro ein Mitspracherecht beim Verkauf von ÖBB-Immobilien verlangte, ging die Bahn unter ihrem damaligen Chef Helmut Draxler vor Gericht. Seither bekommen die ÖBB gar nichts mehr für das Zur-Verfügung-Stellen von Werbeflächen.

Die in den letzten Monaten erfolgte Annäherung zwischen beiden Unternehmen hat Beobachtern zufolge auch personelle Gründe. Mit Ferdinand Schmidt (ÖBB) und Norbert Draskovits (Verkehrsbüro) sind nun zwei Personen in den Vorständen tätig, die sich noch aus gemeinsamen AUA-Zeiten kennen.

Züge als Werbeträger

Nach derzeitigem Stand der Verhandlungen werden die ÖBB am geplanten Gemeinschaftsunternehmen 70 Prozent und das Verkehrsbüro 30 Prozent halten; davon unberührt bleibt die bereits seit längerem bestehende Kooperation des Verkehrsbüros mit der Gewista, die auf Provisionsbasis Großplakatflächen auf ÖBB-Gelände vermarktet. Diese Aktivitäten machten zuletzt rund die Hälfte des 5,8 Mio. Euro schweren Bahnwerbe-Umsatzes aus.

Nicht nur Werbeflächen auf Bahnhöfen und entlang von Gleisanlagen will man künftig nützen, auch Lokomotiven und Waggons sollen als Werbeträger eingebunden werden. "Vor allem bei den Lokomotiven müssen wir aber achten, dass wir durch andere Logos nicht die Identität gefährden", heiß es bei den ÖBB. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 30.3.2002)

Share if you care.