Niederösterreich: Junge Bands brauchen den "Schlachthof"

29. März 2002, 19:58
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Rathaus versus Szene in St. Pölten

St. Pölten - Der Schnupperkurs in Sachen Kommunalpolitik auf den Zuschauerbänken des St. Pöltner Gemeinderats hat Harald Gonaus (21) nicht überzeugt: "Schockiert" sei er gewesen über das, wie er sagt, "Machtgehabe der regierenden SP" während der Diskussionen vergangenen Montag über die geplante Jugendkulturhalle im stillgelegten Schlachthof der Stadt, erzählt der Gitarrist der St. Pöltener Rockband Loonatic. Die Einwände der Opposition - Grüne und VP - seien "mit Scheinargumenten vom Tisch gewischt worden".

"Wir brauchen einen Veranstaltungsort für Musiker und Multimedialeute. Und wir wollen über Konzept und Programm mitbestimmen", tut Gonaus seine und die Bedürfnisse von 700 Unterschriftenleistern "für die Errichtung einer Jugendkulturhalle" unweit des Hauptbahnhofes kund. Einer Halle mit Proberäumen und Auftrittsmöglichkeiten, "damit Fettes Brot nicht mehr in der zugigen VAZ-Messehalle spielen müssen", wie Alexander Millecker (Grüne) erläutert.

Nicht nur kommerziell

Millecker, selber ein gebürtiger St. Pöltener, schätzt ein "subventioniertes, nicht nur kommerzielles Hallenprojekt" als "sehr wichtig für die kleine, aber aktive Alternativkulturszene in der Landeshauptstadt" ein. Eine Szene, die, wie er stolz betont, "zum Beispiel die Gruppe Bauchklang" hervorgebracht habe, "die derzeit auf Radio FM4 auf- und abgespielt wird".

Auch die Grünen fordern Szenemitbestimmung ein. Konkret solle ein Beirat im Rathaus eingerichtet werden, der von den Parteien und den Kreativgruppen gleichermaßen zu beschicken sei. Doch Matthias Stadler aus dem SP-Kulturressort bremst überstürzte Erwartungen: "Derzeit geht es um den Schlachthof- umbau. Dafür hat die Stadt einen Leasingvertrag mit der Bank Austria über ein 15 Jahre laufendes 2,53-Millionen-Euro-Darlehen abgeschlossen. Die Frage der Betreiberschaft kommt erst viel später dran."

Millecker widerspricht - und weist auf den Leasingvertragswortlaut hin. Da sei von "Dienstleistungen rund um die Immobilie die Rede", von "funktioneller Planung" und "Facility-Management": alles Zusätze, die "eine geplante Kommerzialisierung befürchten" ließen.

Dieses Misstrauen teilt er mit den Kulturschaffenden, die am 15. April alle Unterschriften gebündelt Bürgermeister Willi Gruber (SP) überreichen wollen. Für den 11. Mai, so Gonaus, sei außerdem eine Demo geplant. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.3./1.4.2002)

Von Irene Brickner

LINK:
stp-schlachthof.at

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