Bunter Hund holt Energie aus Kukuruz

29. März 2002, 20:10
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Eine Wiener-Stadtwerke-Tochter setzt massiv auf Biomasse

Wien - "Biomasse und Solaranlagen im Wohnbau sind ein Trend und ein echter Hoffnungsmarkt", betont Geschäftsführer Rudolf Pfaff im STANDARD-Gespräch. Das Unternehmen "Energiecomfort", eine Stadtwerke-Tochter der Wienenergie GmbH ist auf den Ökogeschmack gekommen und erweitert so sukzessive ihr Geschäftsfeld.

So wie etwa beim jüngsten Projekt: einem Ökokraftwerk, das bei Dürnkrut entstehen und dann Wärme und Strom liefern soll. Wobei hier nicht Hackschnitzel oder gepresste Holzspäne ("Pellets") in den Ofen kommen werden - sondern Kukuruz. Und zwar eine Sorte, an die sich ältere Landwirte durchaus noch erinnern können: eine Maisart, die nur wenig Korn abwarf, aber dafür umso mehr holzige Pflanzenmasse. Dieser "Energie-Kukuruz" soll nun wieder gezielt in der Umgebung auf etwa sechzig Hektar angebaut werden. Dann folgen erste Heizwert-Versuche im Kraftwerk Simmering, bevor dann das eigentliche Ökokraftwerk errichtet wird.

Für den Bau der Anlage werden sich die Beteiligungsgesellschaft der Wiener Stadtwerke, die Porr Infrastruktur GmbH. und Federspiel Ökotechnology Consulting zusammentun - Energiecomfort wird dann gemeinsam mit dem Unternehmen Greenpower die Betriebsführung, die 24-Stunden-Kundenbetreuung und die Abrechnung übernehmen.

Und das ist bei weitem nicht das erste derartige Projekt der Stadtwerke-Tochter: Diesen April soll etwa ein Biomasse-Heizwerk in der steirischen Stadtgemeinde Bad Aussee in Betrieb gehen und dann rund zwölftausend Einwohner mit Fernwärme beliefern. "Hier werden pro Jahr rund 5800 Tonnen Hackschnitzel verheizt", erläutert Pfaff, "womit rund zwei Millionen Liter Heizöl sowie Kohle und Flüssiggas ersetzt werden."

Das Entscheidende für den Erfolg eines derartigen Vorhabens sei, dass man sich schon vor der Umsetzung des Projektes die Abnehmer der Wärme gesichert hat. Und zwar mit entsprechenden Argumenten. Für das Biomasse-Projekt in Bad Aussee sprach etwa die Reduktion der CO-Emissionen im Luftkurort. Aber auch Wirtschaftliches - wie die Aussicht auf neue Erträge für die Waldbesitzer.

Oder die günstigeren Wärmekosten für die Wärmeabnehmer. Pfaff: "Man muss billiger sein. Auch in Dürnkrut kann man davon ausgehen, dass die Energiekosten bei einem normal gedämmten Haus rund 15 Prozent unter denen einer Ölheizung liegen werden."

Ein weiteres Vorhaben der Energiecomfort ist derzeit in Wien-Favoriten in Vorbereitung: eine Wohnhausanlage der Baugenossenschaft Gebös in der Katharinengasse/Favoritenstraße, in der mit Wärmerückgewinnung und Solarenergie ein 90-prozentiger Wirkungsgrad erzielt werden soll. Die Fertigstellung ist für Ende 2002 vorgesehen.

"Wir sind ein bisschen der bunte Hund im Konzern", weiß Pfaff. Aber immerhin machen derartige Öko-Projekte - inklusive Facility-Management - bei Energiecomfort bereits rund zehn Prozent der Erlöse aus. Und die Tendenz ist weiter steigend. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.3./1.4.2002)

Von Roman Freihsl

"Energiecomfort" will beweisen, dass Ökostrom und -wärme auch wirtschaftlich mit althergebrachten Energieträgern mithalten können.

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