Kalocsa - Stadt des "roten Goldes"

3. Oktober 2005, 15:51
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Die mehr als 1000-jährige Stadt in der südlichen Tiefebene Ungarns ist das Zentrum des Paprikaanbaus

In keinem anderen Land der Welt hat der ursprünglich vermutlich von den Arabern nach Spanien gebrachte Paprika einen derartigen Stellenwert in der lokalen Küche wie in Ungarn.

Die scharfe rote Schote ist als Gemüse und Gewürz aus den magyarischen Kochtöpfen nicht wegzudenken. Nicht nur im Gulasch, das in Ungarn Pörkölt heißt, auch in Wurstwaren, Suppen, Gemüsespeisen, bei Fleisch, Geflügel oder Fisch, immer ist Paprika zentraler Bestandteil der Gerichte.

In früheren Jahrhunderten wurde der Paprika heimlich angebaut und galt als Heilpflanze. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gemüse auch als Gewürz entdeckt.

Zu dieser Zeit war Szeged das Zentrum des Anbaus, dem Anfang des 20. Jahrhundert von Kalocsa der Rang abgelaufen wurde. Es ist bis heute das größte Anbaugebiet der roten Köstlichkeit. Die Gutshöfe der Bischöfe des 1000 Jahre alten Erzbistums bildeten die Grundlagen für den Anbau des roten Goldes, wie das weltweit exportierte Gewürz auch genannt wird.

Diesem besonderen Schatz Ungarns ist nicht nur ein eigenes Paprikamuseum gewidmet, sondern auch die "Paprikatage", die Mitte September abgehalten werden. Bei dieser Veranstaltung anläßlich der Ernte dreht sich alles um den Paprika. Begleitet wird das Fest von farbenfrohen Umzügen, vielseitigen Unterhaltungsprogrammen und einem Kochwettbewerb für Paprikaspeisen, dessen Ergebnisse natürlich auch verkostet werden können. Während des ganzen Jahres kann man an den malerischen Häusern von Kalocsa dichte Ketten des leuchtend roten Gemüses, die in Sonne und Luft trocknen, sehen.

Die 1000-jährige Stadt und ihre Umgebung hat aber auch eine Reihe anderer Sehenswürdigkeiten zu bieten. Etwa den Dom und das Erzbischöfliche Palais aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Im Oratorium des Domes befindet sich die Erzbischöfliche Schatzkammer mit einzigartigen Kleinoden. Die Bibliothek des Erzbischöflichen Palais birgt nicht nur wertvolle Fresken, sondern auch unschätzbare Pergamente, Kodizes, Wiegendrucke und Landkarten.

Kalocsa und die Dörfer rund um die Stadt haben einen engen Bezug zur Donau, Kirchen erinnern an Überschwemmungen und Rettung. Die Kelterhäuser und Keller für an den Lößhängen der Ufer wachsenden Wein, dem zweiten Reichtum der Region, liegen höher, außerhalb der Reichweite des Hochwassers. Ein weiteres lohnendes Ausflugsziel der Gegend ist der Szelid-See, von dem eine Legende erzählt, daß sein Wasser heilende Wirkung habe. (red)

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    Ein Feld mit "rotem Gold"

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