USA setzen Belgrad weiter unter Druck

29. März 2002, 13:32
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Washington knüpft Finanzhilfe an Auslieferung von bosnisch- serbischen Ex-Oberbefehlshaber Ratko Mladic

Belgrad/Wien - Die USA über weiter Druck auf Belgrad aus und fordern die Auslieferung von Personen, die vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt sein. Der Sonderbotschafter für Aufklärung von Kriegsverbrechen im State Department, Peter Richard Prosper, erklärte nach Berichten jugoslawischer Medien, dass die USA insbesondere weiter die Auslieferung des ehemaligen bosnisch-serbischen Oberbefehlhabers, Ratko Mladic, fordern, der sich vermutlich in Belgrad aufhält.

Den Belgrader Behörden habe man bereits klar gemacht, dass die "Anwesenheit von Mladic in Serbien und seine Freiheit weiter ein Problem darstellen, das gelöst werden muss", wurde Prosper am Freitag von jugoslawischen Medien zitiert. Auch habe man Belgrad klar zu verstehen gegeben, dass eine noch intensivere Kooperation mit dem UNO-Tribunal gewünscht werde. Dies schließe auch etwa den Zutritt zu Archiven ein, betonte Prosper.

Die USA hatten zuvor die Verabschiedung eines Gesetzes über die Auslieferung mutmaßlicher Kriegsverbrecher an das UNO-Tribunal begrüßt. Ebenso begrüßte Washington die Überstellung von 146 in Serbien gefangenen Albanern in die von der UNO verwalteten südserbischen Provinz Kosovo. Jetzt fordere man aber weitere Schritte, betonte Prosper. Die USA wollen bis 31. März entscheiden, ob Jugoslawien "genügend" mit dem Haager Tribunal kooperiert hat. Davon hängt auch der erste Teil einer Finanzhilfe in der Höhe von 40 Millionen Dollar ab (insgesamt sind 135 Millionen Dollar vorgesehen, Anm.).

Prosper kündigte auch an, dass ein Offizier als erster US-Amerikaner bald im Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic als Zeuge aussagen werde. Der Major werde vor allem über das "Massaker von Racak" im Jänner 1999 aussagen, bei dem über 40 Albaner von jugoslawischen Sicherheitskräften getötet wurden. Die bis heute nicht restlos geklärten Ereignisse in Racak änderten die Haltung der internationalen Gemeinschaft gegenüber Belgrad und dienten unter anderem als Begründung für die NATO-Luftangriffe gegen Jugoslawien im Frühjahr 1999.(APA)

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