Reaktionen: Unverständnis für israelisches Vorgehen

29. März 2002, 15:54
11 Postings

EU geht auf Distanz - Ferrero-Waldner fürchtet negative Auswirkungen - Schweden verurteilt Offensive - Paris fordert Sicherheit für Arafat

Brüssel - Die Europäische Union missbilligt das israelische Vorgehen gegen den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in Ramallah. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Freitag in Brüssel auf Anfrage: "Arafat ist für uns nicht der Feind." Die israelische Regierung hatte Arafat offiziell zum "Feind" erklärt. Der Palästinenserführer sei zwar nicht für terroristische Attentate verantwortlich, aber dafür, sie zu verhindern, sagte der EU-Sprecher. Die Kommission hoffe, dass die von der Arabischen Liga unterstützten Friedensvorschläge des saudiarabischen Kronprinzen Abdullah zur Kenntnis genommen würden.

Der Beauftragte für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU, Javier Solana, ist auch nach Zuspitzung der Lage in Ramallah in Kontakt mit Arafat und dem israelischen Außenminister Shimon Peres. Solana spreche ebenfalls mit den Außenministern der EU und der amtierenden spanischen EU-Ratspräsidentschaft, sagte Solanas Sprecherin am Freitag in Brüssel. Details nannte sie nicht. Eine neuerliche Reise Solanas in die Krisenregion sei derzeit nicht geplant.

Ferrero: Israel soll Integrität Arafats respektieren

Außenministein Benita Ferrero-Waldner fordert Israel zur Respektierung der persönlichen Integrität von Palästinenserpräsident Yasser Arafat auf: "Ein Schadennehmen von Präsident Arafat hätte zweifellos weitreichende negative Auswirkungen auf den Nahostkonflikt, die auch nicht im Interesse Israels und einer künftigen Lösung des Nahostproblems sein können", erklärte die Ministerin in einer Aussendung am Freitag. Gleichzeitig müssten aber auch die Palästinenser alles unternehmen, um die Gewaltanwendung einzudämmen: "In diesem Sinne begrüßen wir die von Präsident Arafat geäußerte Bereitschaft zu einem sofortigen Waffenstillstand sowie der direkten Umsetzung des Tenet - Planes."

Paris fordert Sicherheit für Arafat

Frankreich hat von Israel verlangt, bei dem militärischen Vorgehen in Ramallah auf die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat zu achten. "Wir rufen die israelischen Behörden inständig auf, dies zu respektieren", sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Freitag in Paris. Außenminister Hubert Vedrine hatte zuvor betont, Israel werde mit Panzern keine Lösung des Konflikts mit den Palästinensern erreichen. Wenn Premier Ariel Sharon versuche, Arafat zu "ersticken", werde das keinesfalls zu einer Lösung führen oder Israel mehr Sicherheit bringen.

Schweden verurteilt israelisches Vorgehen

Die schwedische Außenministerin Anna Lindh hat den israelischen Angriff auf das Hauptquartier des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in Ramallah als inakzeptabel bezeichnet und die israelische Regierung zur Mäßigung aufgefordert. Jeder Versuch, die palästinensische Führung zu zerschlagen, sei für die internationale Staatengemeinschaft unannehmbar und werde für Israel noch größere Verluste an Menschenleben und noch mehr Unsicherheit zur Folge haben, heißt es in einem Kommunique der Außenministerin. "Entsetzt" zeigte sich Lindh darüber, dass Israels Premier Ariel Sharon Arafat zum "Feind" erklärt hat.(APA/dpa)

Share if you care.