Neuer Blasenersatz wird von innen an den Bauchraum befestigt

31. März 2002, 17:00
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Vor allem Frauen sollen davon profitieren

Lübeck - Lübecker Urologen haben einen neuen Blasenersatz entwickelt, von dem vor allem Frauen profitieren sollen. Dabei wird ein Sammelbeutel, der so genannte Pouch, von innen an den Bauchraum befestigt. Ein aus körpereigenem Dünndarm gefertigter Ventilmechanismus verhindert, dass Keime in die Niere wandern können. "Das System ist so dicht, dass die Blase eher platzen würde, bevor sie sich von selbst nach außen entleert", sagte der Urologe Andreas Böhle.

Bisher gab es als Blasenersatz für Frauen nur ein so genanntes Stoma. Dabei wird ein Beutel mit dem Harnleiter verbunden und außen am Bauch befestigt, so dass ständig Flüssigkeit hineinfließt. Ein bereits entwickeltes Blasenersatzsystem, dass im Bauchraum verankert wird, kam bisher nur für Männer in Betracht.

Bei dem neuen Verfahren könne die künstliche Blase im Bauchraum auch bei Frauen integriert werden, erklärten die Experten. Die Patienten könnten damit ganz normal auf die Toilette gehen. Die künstliche Blase könne dann regelmäßig und kontrolliert mit einem Katheter entleert werden. Selbst schwimmen gehen sei mit dem neuen System kein Problem mehr.

Auf einen solchen Ersatz sind meist Patienten mit fortgeschrittenen Blasenkrebs angewiesen. Jährlich erkranken in Deutschland laut Böhle 11.000 Männer und rund 5.500 Frauen an einem derartigen Tumor. Bei etwa jedem Fünften ist zum Zeitpunkt der Diagnose der Krebs so weit fortgeschritten, dass die Blase vollständig entfernt werden muss. (APA)

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