McJobs als Armutszeugnis für den Sozialstaat

29. März 2002, 11:27
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AK-Dinkhauser fordert bessere Absicherung für atypisch Beschäftigte - Vor allem Frauen armutsgefährdet

Innsbruck - Dringenden Handlungsbedarf ortet Arbeiterkammer- Präsident Fritz Dinkhauser bei den atypischen Beschäftigungsformen: "Statt eine schöne, neue und flexible Arbeitswelt vorzugaukeln ist die Regierung gefordert, für eine bessere soziale Absicherung dieser Gruppe der Arbeitnehmer zu sorgen. Ansonsten ist atypische Beschäftigung nur Sklavenarbeit und ein Armutszeugnis für unseren Sozialstaat. Es besteht die Gefahr, dass immer mehr Arbeitnehmer in atypische Beschäftigungs-formen abgedrängt werden, weil Unternehmer versuchen, aus arbeits- und sozialrechtlichen Dienstverhältnissen auszubrechen und in für sie billigere und flexiblere Joblösungen auszuweichen."

Tirol: McJobberInnen zu drei Viertel Frauen

Vor allem Tirol ist von den Mac-Jobs überdurchschnittlich betroffen: Fast 35.000 Personen sind bereits geringfügig beschäftigt, dazu kommen noch 5.500 freie DienstnehmerInnen und 2.900 sogenannte neue Selbständige. Sieben Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in Tirol sind bereits geringfügig. Das ist der dritthöchste Bundesländeranteil. Drei Viertel davon sind Frauen.

Armutsgefährdung

"Was zusätzlich bedenklich stimmt", so Dinkhauser, "ist die Tatsache, dass die geringfügige Beschäftigung im Alter deutlich zunimmt: JedEr zweite über 59jährige Tiroler ArbeitnehmerIn ist nur noch geringfügig beschäftigt. In Tirol aber aerden bereits bei den Standardbeschäftigten die drittniedrigsten Löhne bezahlt; geringfügig Beschäftige müssen mit noch weniger Geld auskommen. Dass aus Zwecken der Kostenersparnis immer mehr Unternehmen diese Arbeitsformen anbieten, ist laut Dinkhauser fahrlässig, weil vor allem Frauen mittel- und langfristig in akute Armutsgefährdung geraten. Denn niedriges Einkommen mit wenig Versicherungszeiten heißt auch niedrige Pension, im Falle einer Trennung werden die Problem noch deutlicher: Unzureichende sozialrechtliche Absicherung, weniger arbeitsrechtlicher Schutz, die Aufstiegs-chancen sind schlecht und die Jobs wenig dauerhaft. Der mittlere Bruttostunden-verdienst liegt bei Teilzeitarbeit in Tirol 20 Prozent unter jenem eines Normalarbeits- verhältnisses. Ein existenzsicherndes Einkommen ist oft nicht erzielbar.

Keine Sozialversicherung

Dinkhauser: "Was umso bedenklicher stimmt ist die Tatsache, dass mehr als ein Drittel der nur geringfügig Beschäftigten in Tirol nicht einmal sozialversichert ist. Kein Wunder, dass bei einem Durchschnittseinkommen von 113 Euro selbst die vergleichsweise günstige freiwillige Kranken- und Pensionsversicherung von 42,54 Euro zu viel ist."
(red)

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