"Da wird jetzt erbittert gepokert"

29. März 2002, 15:43
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Kirch-Verhandlungen vorerst auf Dienstag vertagt - Banken warten auf Sanierungskonzept von Murdoch und Berlusconi - Spielraum für KirchMedia wird eng

Die Verhandlungen über die Rettung der von der Insolvenz bedrohten Mediengesellschaft KirchMedia sind nach Angaben aus Bankenkreisen vorerst auf Dienstag vertagt worden. "Die Banken warten nun darauf, dass die Investoren ein tragfähiges Sanierungskonzept vorlegen." Davon hänge es ab, wann erneut verhandelt werde, hieß es am Donnerstagabend aus informierten Quellen.

Keine Einigung über Lastenverteilung

Am Donnerstagabend waren Gespräche über das Schicksal der KirchGruppe ohne Ergebnis abgebrochen worden. Die Gläubigerbanken und die Kirch-Minderheitsgesellschafter, zu denen der australische Medienzar Rupert Murdoch und der italienische Mediaset-Konzern von Staatspräsident Silvio Berlusconi gehören, hätten sich am Donnerstag erneut nicht auf eine Lastenverteilung für die Rettung des Münchener Medienkonzerns einigen können, hieß es in den Kreisen.

Die Gesellschafter wollten sich weiter nicht an einem Überbrückungskredit für KirchMedia beteiligen. Die Banken hätten die Investoren nun aufgefordert, ein tragfähiges Konzept zur Sanierung von KirchMedia vorzulegen.

Differenzen über Finanzspritze

Seit Tagen verhandeln die vier Gläubigerbanken Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, DZ Bank und Commerzbank mit den Kirch-Minderheitsgesellschaftern um Murdoch und den Mediaset-Konzern von Ministerpräsident Silvio Berlusconi über die zukünftige Kontrolle von KirchMedia. Das Unternehmen verfügt über die größte Filmbibliothek Deutschlands und kontrolliert die Privatsender ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24. Bisher galt es als wahrscheinlich, dass die Gesellschafter die Mehrheit an KirchMedia übernehmen, die Banken aber mit mindestens 25 Prozent bei der Filmgesellschaft einsteigen. Firmengründer Leo Kirch ist offenbar bereit, sich aus KirchMedia zurückzuziehen.

"Da wird jetzt erbittert gepokert"

Vertreter der Banken und der Gesellschafter entschlossen sich am späten Donnerstagnachmittag, die Gespräche erst nach einer viertägigen Pause fortzusetzen. Eine Einigung scheitert derzeit offenbar an unterschiedlichen Vorstellungen, wer sich in welchem Umfang an den notwendigen Finanzspritzen für KirchMedia beteiligt. Mediaset hatte am Mittwoch offiziell erklärt, kein Geld mehr in die KirchGruppe stecken zu wollen. Die Investoren forderten außerdem von den Banken, auf Teile ihrer Forderungen zu verzichten, was diese ablehnen, hieß es in Bankenkreisen: "Da wird jetzt erbittert gepokert."

Spielraum wird immer enger

Durch die Vertagung der Verhandlungen wird der Spielraum für KirchMedia immer enger. Denn zur Finanzierung der laufenden Geschäfte bräuchte die Gesellschaft nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen einen Überbrückungskredit von 150 Mill. Euro für die nächsten sechs Wochen. Allen Beteiligten sei bewusst, das KirchMedia von der Insolvenz bedroht sei, hieß es. Unklar blieb aber, wann KirchMedia wirklich zahlungsunfähig wird. Eine Rate für Filmrechte an das US-Studio Columbia wäre schon vergangene Woche fällig gewesen. Über eine Stundung werde verhandelt.

"Wir gehen nicht auf jeden Quark ein"

Die Banken seien weiter an einer Rettung von KirchMedia interessiert, sagte ein Bankenvertreter am Donnerstag. "Aber wir gehen nicht auf jeden Quark ein. Wir sind grundsätzlich bereit, die Gespräche fortzusetzen, wenn die Investoren das wünschen." Ansonsten würden die Banken eine andere Lösung suchen. Es stehe immer noch ein Szenario im Raum, in dem die vier Gläubigerbanken die Mehrheit an KirchMedia übernehmen und dann einen anderen Investor zu suchen könnten. Wer das sein könnte, blieb unklar. (APA/Reuters)

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