PFLP droht Israelis in aller Welt mit Anschlägen

29. März 2002, 15:56
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Marxistische Volksfront für die Befreiung Palästinas will "überall zuschlagen"

Damaskus - Nach dem Vorstoß der israelischen Armee in Ramallah hat die marxistische "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP) mit Anschlägen auf Israelis in aller Welt gedroht. Das PFLP-Politbüromitglied Maher Taher sagte der Nachrichtagentur AFP am Freitag in der syrischen Hauptstadt Damaskus, "wir werden dem von Israel geführten Auslöschungskrieg mit allen Mitteln widerstehen, und das palästinensische Volk im In- und Ausland wird überall zuschlagen".

Die PFLP war im Februar aus dem Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ausgetreten. Zuvor hatte sie der palästinensischen Autonomiebehörde unter Präsident Yasser Arafat nach der Festnahme ihres Anführers Ahmad Saadat mit einer "totalen politischen Konfrontation" gedroht.

Ministermord

Die PFLP hatte sich zu dem Mord an dem ultrarechten israelischen Tourismusminister Rehavam Zeevi bekannt, der im Oktober zu einer Eskalation der Gewalt im Nahen Osten geführt hatte. Die Festnahme Saadats war eine der Bedingungen Israels für eine Entspannung im Nahost-Konflikt. Die israelische Armee hatte im vergangenen August den PFLP-Chef Abu Ali Mustafa durch einen Raketenangriff in Ramallah gezielt getötet. Mustafa hatte im Jahr 2000 den PFLP-Gründer Georges Habash, einen langjährigen Gegenspieler Arafats, an der Spitze der 1967 gegründeten Organisation abgelöst. Präsident Yasser Arafat hatte den militärischen Arm der PFLP im vergangenen Oktober verboten.

Die PFLP ging in den sechziger Jahren aus der Bewegung der arabischen Nationalisten hervor und trat 1971 der Palästinensischen Befreiungsorganisation bei. Besonders in den siebziger Jahren machte die PFLP durch spektakuläre Gewalttaten und Flugzeugentführungen international auf das ungelöste Palästinenser-Problem aufmerksam. Danach konzentrierte sie sich auf Anschläge in der Region, um eine Friedenslösung zu torpedieren. Die PFLP, die nach Erkenntnissen der US-Außenministeriums (Bericht "Global Terrorism") etwa 800 Mann unter Waffen hat, operiert im Libanon, in Israel und Palästina. Ihr wichtigstes Rückzugsgebiet ist Syrien. Von dort erhält sie auch logistische Hilfe. Habash brachte die PFLP 1993 in offenen Gegensatz zu Arafat, der auf eine Verhandlungslösung mit den Israelis setzte. Einzig "revolutionäre Gewalt" und ein ständiger Blutzoll könnten den "Fremdkörper" Israel zum Zurückweichen zwingen, befand der PFLP-Kongress in Damaskus. (APA)

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