Volksbanken auf Kundenjagd

29. März 2002, 13:33
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2001 um 11 Prozent weniger Gewinn

Wien - Trotz zweistelliger Wachstumsraten bei Einlagen und "überdurchschnittlichem" Kreditzuwachs hat der österreichische Volksbankensektor 2001 weniger verdient: Das Betriebsergebnis belief sich auf 261 Mill. Euro, ein Rückgang um 11,4 Prozent gegenüber 2000. Das Ergebnis der wöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) sank um 11,9 Prozent auf 140 Mill. Euro. Auf die Sektorbilanzen durchgeschlagen hat 2001 das weltweit schwache Wertpapiergeschäft, das den Provisionsertrag um 8,8 Prozent sinken ließ. Aber auch der Nettozinsertrag blieb nach vorläufigen Daten mit 445 Mill. Euro um 0,5 Prozent zurück.

Auch ohne Einrechnung von - im EGT noch unberücksichtigten - einmaligen Sonderträgen durch die zu höheren Kursen in eine Holding eingebrachten Aktien an der ÖVAG sieht Verbandsvorstandschef Hans Hofinger die Volksbanken 2001 beim EGT "im Branchenschnitt", beim Betriebsergebnis sei man weiter Nummer eins im Lande.

Die Bilanzsumme legte nach einer im Vorjahr gestarteten Marktoffensive im Sektor (Primärbanken plus ÖVAG) um 19,2 Prozent auf 29,4 Mrd. Euro zu. Ziel sei, binnen 10 Jahren zu den jetzt 650.000 Kunden 350.000 neue Kunden hinzu zu gewinnen, den Privatkundenanteil von 10 auf 15 Prozent zu steigern. Für heuer erwartet Hofinger, ein Zehntel dieses Plans umzusetzen, zudem stünden 16 neue Filialeröffnungen an. 2001 hatte der Sektor 594 (588) Filialen, die Zahl der Mitarbeiter blieb mit 5.044 (5.046) praktisch unverändert.

Banken-"Auffanglager" für KMU

Gelegen kommt den Volksbanken nach Eigenangaben, dass sich einzelne Großbanken - "in vorauseilendem Gehorsam in Vorwegnahme von Basel II" - in der Kreditbonitätsdifferenzierung aus der KMU-Finanzierung zurück zögen. Dass den Volksbanken damit schwächere Kreditkunden und damit höhere Risiken zuwachsen könnten, befürchtet Hofinger nicht. 2001 solle im Sektor die Ertragskraft "stabil" bleiben, in der Cost-Income-Ratio sei Verbesserungspotenzial drin, sagte Hofinger am Freitag vor Journalisten. 2001 mussten die Volksbanken im Schnitt 67,1 Cent einsetzen, um einen Ertrag von 1 Euro zu erwirtschaften.

Die Kreditrisikovorsorgen im Volksbankensektor erreichten 2001 rund 140 Mill. Euro, im Jahr davor waren es rund 170 Mill. Euro. Die Direktkredite stiegen 2001 um 8,8 Prozent auf 14,66 Mrd. Euro im Sektor, zweistellig zulegen konnte die Primärstufe allein (plus 11,8 Prozent).

Die Eigenmittel wuchsen um 35 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro (Eigenmittelquote: 13,6 Prozent), was Hofinger als weiteren "Sicherheitspolster" für die Kunden wertet. Als Kernkapital werden 1,88 Mrd. Euro (Quote: 10,2 Prozent) ausgewiesen. (APA)

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