Widerstand in Arafat-Zentrale gebrochen

30. März 2002, 10:22
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Israels Armee stürmt Hauptquartier in Ramallah - 70 Palästinenser fest genommen - Arafat flieht in Bunker und ist zu "Märtyrertod" bereit

Ramallah/New York - Mit massiver Panzerunterstützung haben israelische Truppen am Freitag das Hauptquartier des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in Ramallah gestürmt. Zusammen mit seinen engsten Beratern verschanzte sich der Präsident der Autonomieverwaltung in einem fensterlosen Raum. Soldaten drangen in die Gebäude ein und lieferten sich Häuserkämpfe mit Arafats Verteidigern. Gegen Abend wurde die Stromversorgung für den Komplex abgeschaltet und ein Generator zerstört.

Die israelischen Soldaten kreisten Arafat bis zum Abend immer mehr ein. Zuletzt kontrollierte er nur noch ein Stockwerk. Bei den Gefechten in Ramallah starben nach Angaben Arafats sieben Menschen, 40 seien verletzt worden. Auch ein Israeli wurde getötet. Nach israelischen Angaben wurden rund 60 bis 70 Personen festgenommen. Arafat selbst blieb unverletzt.

Während Arafat in Gesprächen mit ausländischen Regierungen um internationale Hilfe bat, lag eine Maschinenpistole in Griffweite auf dem Tisch. "Sie wollen mich verhaften oder ins Exil schicken oder töten", sagte Arafat telefonisch dem arabischen Sender El Jazeera. "Möge Gott uns zu Märtyrern machen."

Bis zum Nachmittag besetzten mehr als 20 Panzer das weiträumige Gelände des Amtssitzes. Scharfschützen bezogen Stellung auf den Dächern mehrerer Gebäude. Arafat hat Ramallah seit Dezember nicht mehr verlassen, weil Israel seine Reisefreiheit eingeschränkt hat.(APA/dpa)

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