Sharon: Offensive dauert "mehrere Wochen"

29. März 2002, 19:24
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Israel erklärt Arafat offiziell zum "Feind" - Jerusalem beschließt Politik der völligen Isolierung

Jerusalem/Tokio - Der israelische Militäreinsatz gegen die Palästinenser wird nach den Worten von Ministerpräsident Ariel Sharon "mindestens mehrere Wochen" andauern. Es seien "Einsätze von bisher nicht dagewesenem Ausmaß" geplant, sagte Sharon am Freitag laut Rundfunkberichten. Ziel sei es, "die Kräfte der palästinensischen Terrororganisationen zu brechen".

Der palästinensische Parlamentspräsident Achmed Korei sprach von einer "Kriegserklärung" Israels an das palästinensische Volk. Die Palästinenser würden sich jedoch nicht ergeben, sondern ihre "gerechte Sache" verteidigen, sagte Korei am Freitag in Tokio dem Fernsehsender NHK.

Arafat offiziell zum "Feind" erklärt

Israel hat den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat am Freitag offiziell zum "Feind" erklärt. Das gab Ministerpräsident Ariel Sharon nach einer nächtlichen Sitzung seines Kabinetts in Jerusalem bekannt. Die israelische Armee hat am Freitag die palästinensische Stadt Ramallah im Westjordanland zur Gänze unter ihre Kontrolle gebracht und ist nach heftigen Gefechten in das Hauptquartier von Präsident Yasser Arafat eingedrungen.

In einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz begründete Sharon den Kabinettsbeschluss mit der jüngsten Anschlagsserie, bei der seit Mittwoch mindestens 26 Israelis getötet wurden. All diese Vorfälle seien zu einer Zeit geschehen, da Israels Hand zum Frieden ausgestreckt gewesen sei, sagte Sharon. In Anspielung auf die Vorschläge des US-Vermittlers Anthony Zinni sagte er weiter, Israel sei bereit gewesen, alles in seiner Macht Stehende zu tun für eine Waffenruhe. "Aber alles, was Israel im Gegenzug bekam, war Terrorismus, Terrorismus und noch einmal Terrorismus", so der Premier.

Heftige Feuergefechte

Nach Augenzeugenberichten bezogen die israelischen Panzer neben allen Toren, die zum Amtssitz Arafats im Zentrum Ramallahs führen, Stellung. Noch nie seien die Panzer so nahe an Arafats Residenz herangerückt, hieß es. Es gab heftige Feuergefechte zwischen israelischen Soldaten und bewaffneten Palästinensern. Eine israelische Planierraupe riss eine Mauer nieder, die den Amtssitz umgibt.

Arafat befand sich nach Angaben von Mitarbeitern nur wenige Meter von dem Feuergefecht entfernt. Es gab Berichte, dass Israel das Gelände mit Granaten beschossen hat. Außerdem soll es Opfer unter Arafats Leibwache gegeben haben. Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer erklärte, sein Land habe nicht die Absicht, Arafat physischen Schaden zuzufügen. (APA/AP)

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