Oberösterreich: Enttäuschung über "Jahr der Jugend"

28. März 2002, 21:20
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Krisenzentrum zieht negative Bilanz

Linz - "Das ist dein Jahr" warb das Land Oberösterreich im "Jahr der Jugend". 1,1 Millionen Euro wurden 2001 für Projekte und Aktionen zur Verfügung gestellt. "Wir haben davon aber kaum etwas zu spüren bekommen", resümiert Birgitta Barabasch, Psychologin beim Krisenzenturm für Jugendliche "Waki" in Linz. Am Donnerstag präsentierte die Einrichtung ihren Jahresbericht 2001.

Die Erwartungen für das "Jahr der Jugend" waren (zu) groß: mehr finanzielle Mittel für Jugendliche in Krisenzentren, mehr Freizeitangebote für orientierungslose Jugendliche, mehr Jobmöglichkeiten, oder einfach nur mehr Bereitschaft, sich mit problematischen Situationen von Heranwachsenden auseinander zu setzen.

Billiglösungen

Geschehen sei das Gegenteil: "Uns fiel auf, dass bei Krisenunterbringungen, die eine längere Aufenthaltsdauer erfordert hätten, vermehrt keine Finanzierung zustande kam. (...) Wir mussten mitansehen, wie bei einigen Jugendlichen ,Billiglösungen' gesucht wurden", heißt es in dem Jahresbericht von Waki.

"Das Jahr der Jugend hat zwar zahlreiche neue Projekte gebracht, eine Verbesserung insgesamt für die Jugendarbeit wurde jedoch nicht erreicht", lautete auch das Fazit von Sozialarbeitern bei einer Enquete, zu der die Grünen geladen hatten. SP-Soziallandesrat Josef Ackerl zieht indes "positive Bilanz". Sein Referat, das sich gemeinsam mit VP-Jugendlandesrat Walter Aichinger die 1,1 Millionen Euro Sondermittel teilte, habe extra einen Schwerpunkt auf Heimprojekte gesetzt. Auf "Jugendliche am Rande der Gesellschaft" sei keineswegs vergessen worden.

Image der Landesräte

Mit dem Geld wurden "Imagekampagnen der Landesräte" und Vorzeigeaktionen gefördert, kritisiert auch die grüne Landtagsabgeordnete Doris Eisenriegler. Wie die "Card 4 you." Mit dieser Karte vom Land erhalten Jugendliche in 250 Institutionen Rabatte. Ebenso ein "Highlight" bildeten die Spieletage. Im Advent konnten 1000 Brett- und Computerspiele getestet werden. (ker, DER STANDARD Print-Ausgabe 29.März 2002)

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