Verletzte Schicklichkeit auf dem "Platz für alle"

28. März 2002, 21:57
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Grazer Jugendliche nach Matratzentransport ohne Auto angezeigt

Graz - "Darf man etwas transportieren, wenn man kein Auto hat?", fragt der 20-jährige Grazer K., der im Vorjahr mit einem Freund zwei geschenkte Matratzen einer Caritas-Wohngemeinschaft vom Stadtrand in die Innenstadt bringen wollte. Die Matratze mit der Straßenbahn zu transportieren war unmöglich, da "keine Bim uns die Türe öffnete", so der Mann. Also gingen sie zu Fuß. "Aber schon nach fünf Minuten hat uns ein Polizist gefragt, ob wir die Matratze gestohlen hätten, dann hat er Verstärkung angefordert und unsere Personalien aufgenommen."

"Ein Platz für alle"

Die beiden verdächtigen "Schlepper" setzten ihren Weg fort und kamen "sehr erschöpft" am Grazer Hauptplatz an, der gerade unter dem Motto "Ein Platz für alle" umgebaut wird. Als sie vor dem Rathaus zehn Minuten anhielten und auf der Matratze sitzend ein Jause aßen, wurden sie wegen "Verletzung der Schicklichkeit" angezeigt.

Nach Akteneinsicht erfuhren sie, dass der Baustellenkoordinator und FP-Politiker Ferdinand Spielberger Anzeige erstattet hatte. Einer der "Täter": "Die Anzeige ist politisch motiviert, da ich gepierct bin und meine Kleidung und Frisur nicht der Norm entsprechen." Spielberger zum STANDARD: "Ich habe der Polizei gesagt, sie möge sie wegtun, um ihre Sicherheit nicht zu gefährden." An die Anzeige will sich Spielberger nicht erinnern.

Herr K. hat bereits zweimal Einspruch erhoben und wartet noch immer auf ein Ende der Causa. (cms,DER STANDARD Print-Ausgabe 29.März 2002)

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