Der Stau ist sein Schicksal

28. März 2002, 21:12
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Bitt' schön, bleiben S' zu Ostern daheim!", fordert die Richterin. Helmut nickt zwar, aber er unterlegt es mit einem schmutzigen Grinsen: Bei diesem prächtigen Wetter kann er sein rotes Cabrio doch nicht sich selbst überlassen.

Wenn Helmut fährt, geht alles gut. Relativ gut. Einmal ist er auf der Heiligenstädter Straße mit 180 nur deshalb nicht gestoppt worden, weil er zu schnell war. Daraufhin war der Führerschein weg. - Wie Helmut diese Zeit überleben konnte, weiß er vermutlich bis heute nicht.

Dramatik

Dramatischer wird es, wenn Helmut im Verkehr rollt, steckt oder steht. Da staut sich etwas in ihm auf. Seine Bilanz: fünf Staus, ein blaues Auge, ein verdrehter Arm, zwei Blechdellen, ein eingeschlagener Scheinwerfer; zwei leichte Körperverletzungen, zwei Sachbeschädigungen. "Des macht mi wahnsinnig, wann nix weidageht", erklärt er der Richterin. "Ihnen sollte man für immer den Führerschein wegnehmen", erwidert sie.

Im November war es wieder so weit: Die städtische Müllabfuhr führte ab. - Unmittelbar vor Helmuts Frontspoiler. Die Zerreißprobe führte quer durch Floridsdorf. "Vom Spitz in die Leopoldau hab' i a Stund 'braucht", zürnt er noch heute. "Wären S' zu Fuß gegangen!" - Angeklagte müssen sich schon manchmal grausame Sachen sagen lassen.

Die Nerven rissen in Donaufeld. "Die san zu Fleiß net zuaweg'fahren, die wollten mi provozieren, die Hundlinge." Gelungen. Helmut stieg aus und zeigte dem Müllmann, "wie man in Floridsdorf grüßt". "Wie hat er es aufgenommen?", fragt die Richterin. "Er hat den Mistkübel gegen mein' Seitenspiegel 'donnert." Er wusste nicht, dass Helmut ein gläubiger Mensch war. (Was du dem geringsten meiner Autoteile getan hast, das hast du mir getan.) Es folgten drei wuchtige Faustschläge und Tritte gegen des Müllmanns Schienbein. Dafür: drei Monate bedingt. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Print-Ausgabe 29. März 2002)

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