Kann Lachen Sünde sein?
Von Samo Kobenter

28. März 2002, 20:58
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Wahrscheinlich wird das Thema "Humor in der katholischen Kirche" nicht so rasch Eingang in die wissenschaftliche Sekundärliteratur finden, da kann sich ein Witzezeichner wie Gerhard Haderer noch so hingebungsvoll bemühen. Es ist auch völlig aussichtslos, die zürnenden Bischöfe damit besänftigen zu wollen, dass jedem künstlerischen Schöpfungsakt ein schöner Teil jener kindlichen Unschuld innewohnt, um derentwillen denen, die sie behalten haben, das Himmelreich versprochen ward.

Und doch hat der Zorn der hohen Geistlichkeit etwas Aufgesetztes, allenfalls Bemühtes. So ganz ernst scheinen sie ihre Aufwallungen selbst nicht zu nehmen, und beinahe möchte man meinen, sie hätten es längst wieder gut sein lassen, wäre ihnen da nicht die veröffentliche Empörung heftig zu Hilfe geeilt. Vermutlich ist es leichter, einen Bischof zum Lachen über Jesus zu bringen, als Letztere lächelnd zu ertragen - und wäre der Anblick eines schmunzelnden Purpurträgers wenigstens eine kleine Tröstung, so bewirkt das Auge des Orkans, das einen täglich unverschämter aus den Schlagzeilen der Kronen Zeitung anglotzt, das Gegenteil. Auf die seltsamen Polyvalenzen, die sich über diverse Seiten hin zwischen Barbusigen, Barsinnigen und Barhäuptigen im Schatten bischöflicher Kolumnen entwickeln, sei gar nicht verwiesen. Geschenkt.

Allein, was einem die Osterfreude doch vergällen und das versprochene Weiterleben nach dem Tode als Drohung verstehen ließe: Wie rasch waren doch die Sturmtruppen des Abendlandes zur Stelle, als es endlich wieder gegen einen Ketzer ging! Gar nicht vorstellen will man sich den Garten Eden als einen Ort, in dem diese Heuchler ewig lustwandeln und an jedem Eck ein Christianus aus seinen gesammelten Krone-Predigten liest.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 3. 2002)

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