"Gott sei Dank steigt die Auflage"

28. März 2002, 20:32
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Karikaturist Erich Sokol ist auf den Erfolg des Jesus-Buches neidig. Erfüllungsgehilfe sei die Kirche.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Aufregung um das Jesus-Buch?

Sokol: Beneidenswert ist er, der Haderer. Das Ironische daran ist, dass er nicht einmal sehr scharf ist. Das war kein Generalangriff auf den Kardinal oder auf die katholische Kirche. Man könnte neidisch werden auf die Auflage, die ihm das jetzt bringt. Es ist aber charakteristisch, wie die Kirche antwortet.

STANDARD: Wundert Sie das?

Sokol: Bei der Performance, die die Kirche die letzten Jahre gegeben hat, muss ich sagen, es ist systemkonform. Wann immer die sich schädigen können, sie schießen sich ins Knie!

STANDARD: Ist Ihnen selbst schon so eine Aufregung widerfahren?

Sokol: Ich bin einmal von einem mächtigen, kleineren Herren geklagt worden. Das war der Dichand. Hat ihn 800.000 Schilling gekostet, hat er verloren. Und zwar ganz einfach: Weil bei uns ist die künstlerische Freiheit und der persönliche freie Ausdruck im Verfassungsrang. Beim Haderer wird es ganz ähnlich sein.

STANDARD: Gefällt Ihnen das Buch?

Sokol: Mir ist es ja zu harmlos. Es ist eine Art von Märchen - eine Märchenversion des Religionsunterrichts. Es ist doch absolut schwachsinnig, mit so schweren Kalibern aufzufahren. In Wahrheit können sie das Buch in den Kirchen verkaufen. Aber der Witz daran ist: Es ist die nötige Strafe für die Kirche, dass sie sich zum Verbreitungsgehilfen macht. Die müssten doch wissen, dass das Gott sei Dank die Auflage steigert.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 3. 2002)

Interview von
Michael Völker

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