"Haderer ist ein sanftmütiger Mensch"

28. März 2002, 20:28
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Zeichner Manfred Deix kommt aus dem Staunen nicht heraus: Hier sei eine "Nichtbombe" geplatzt.

STANDARD: Was sagen Sie zur der Debatte um das Jesus-Buch Ihres Kollegen Haderer?

Deix: Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. So viel Lärm um eine harmlose Sache. Kardinal Christoph Schönborn ist ein PR-Genie. Werbeagentur Schönborn und Partner.

STANDARD: Wenn das Buch so harmlos ist: Wie erklären Sie sich dann die Aufregung?

Deix: Es ist derzeit einfach nichts los. Und jetzt vor Ostern platzt diese Nichtbombe mit dem Buch. Wer das als Verspottung auffasst, soll in den Prater gehen und sich das reale Leben anschauen. Da gibt es tausendmal härtere Fakten jeden Tag zu entdecken. Wenn man auf der Wiener Rotenturmstraße am Zeitungskiosk vorbeigeht, springen einen 12.000 Dutteln an.

STANDARD: Darf man Jesus verspotten?

Deix: Der hat ihn ja nicht einmal verspottet. Haderer ist ein sanftmütiger Mensch. Er hat ihn nicht verspottet. Er hat ihm nur unterstellt, ein Kiffer, ein Haschischraucher zu sein. Dem Jesus Haschischkonsum zu unterstellen, na mein Gott. Das wird die Kirche überleben.

STANDARD: Hat die katholische Kirche auf eine Ihrer Zeichnung derart reagiert?

Deix: In den 30 Jahren die ich schon werke, habe ich wesentlich härtere Blätter gemacht. Dieses Echo habe ich nie erreicht, wirklich nicht.

STANDARD: Enttäuscht?

Deix: Nein. Dieses Ausmaß an Skandal habe ich wirklich noch nie erlebt. Die Medien sind voll, als ob der den Jesus beim Wichsen gezeichnet hätte. Aber nichts von dem ist passiert.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 3. 2002)

Interview von
Peter Mayr

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