Kirche beschämt den Staat

28. März 2002, 19:58
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Gespräch mit Weihbischof Ludwig Schwarz

"Unsere gepriesene EU ist ja nur daran interessiert, dass es uns wirtschaftlich besser geht, das ist der Hauptgedanke und nicht so sehr religiöse oder andere kulturelle Werte. Ich sage ja nicht, dass es unmöglich ist, Reichtum und Seelenheil zu vereinen, aber man darf nicht sein Herz an die vergänglichen Güter hängen." Ludwig Schwarz, Weihbischof in Wien, Nationaldirektor von Missio Austria (Päpstliche Missionswerke in Österreich), ist der breiten Öffentlichkeit noch kaum bekannt.Der Salesianer Don Boscos verbrachte viele Jahre in Rom und erhielt erst vor wenigen Monaten die Bischofsweihe.

Was ihn besonders aufregt...

Was ihn besonders aufregt, ist die ungerechte Verteilung der Güter dieser Erde: "Es gibt Wohlstand, der verantwortbar ist, wenn man teilt. Wir müssen ärmer werden, damit es den ganz Armen etwas besser geht. Denn wir sitzen letztlich in einem Boot. Es ist erschütternd, wenn man den Besitz vergleicht: Da fährt ein Boot mit 20 Leuten, die 20 Semmeln haben, und zwei oder drei davon haben 17 Semmeln, und die anderen 17 bis 18 haben zusammen nur drei Semmeln."

Entwicklungshilfe

Der Staat habe sich verpflichtet, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungshilfe auszugeben: "Aber das erreicht er nie. Man hält sich nicht daran. Dabei gibt es kirchliche Selbstbesteuerungsgruppen, wo die Leute auch zehn Prozent ihres Einkommens hergeben."

Mehr Geld fließt in die Dritte Welt als über staatliche Kanäle

Über 26 kirchliche Organisationen für Mission und Entwicklung fließt jährlich mehr Geld in die so genannte Dritte Welt als über staatliche Kanäle. Es gibt in Österreich geradezu "Missionspfarren", die die jungen Kirchen in Übersee, die von europäischer Hilfe abhängig sind, kräftig unterstützen: "Am Sonntag der Weltkirche im Oktober habe ich in der Pfarre St. Columban in Bregenz erlebt, wie bei drei Messen 296.000 S gesammelt wurden." Diese Pfarre allein hat über 2000 Priesterpatenschaften übernommen, trägt also die Kosten für so viele Priesterstudenten. Und wie sieht er den Auftrag der Mission? "Der alte Missionsbegriff, dass Europa zur Bekehrung der Heiden Missionare nach Übersee schickt, ist überholt. Heute geschieht überall Mission. Es gibt auch afrikanische Priester bei uns oder indische in Afrika." (DER STANDARD Print-Ausgabe 29. März 2002)

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