Wirtschaftsfaktor "Leib Christi"

28. März 2002, 19:18
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Die Hostienbäckereien sind für viele Klöster wesentliche Einnahmequellen

Wien - Die Produktion von Hostien, die in den christlichen Religionen den "Leib Christi" versinnbildlichen, ist in Österreich fest in Frauenhand. Hergestellt werden die Oblaten in vielen Frauenklöstern, etwa bei den Redemptoristinnen in Lauterach in Vorarlberg oder den Franziskanerinnen im oberösterreichischen Vöcklabruck. Die größte heimische Hostienbäckerei gehört zur Mission St. Gabriel, ist aber in den Mödlinger Pfarrhof ausgelagert, wo wiederum vier Damen die Sache in der Hand haben. Jährlich verteilen die katholischen Pfarren in ihren Gottesdiensten geschätzte 52 Millionen Stück. Das entspricht rund zehn Tonnen. Genaues über den Bedarf weiß man allerdings nicht, da seit 1994 die kirchliche Statistik lediglich Messbesucher (derzeit knapp 940.000 an Feiertagen), aber nicht mehr Kommunionsempfänger zählt.

In den letzten Jahren verdrängten dickere und dunklere "Brothostien" die dünnen, weißen Oblaten. Der Unterschied wird durch die Sorte des Weizenmehls und die Backzeit bestimmt. "Das genaue Rezept ist unser Backgeheimnis", sagt Brigitta Vasak, in Mödling verantwortlich für die Hostienbäckerei. Schwester Maria Veronika, die Leiterin der Bäckerei bei den Redemptoristinnen in Vorarlberg, erklärt: "Die Brothostien versinnbildlichen das Zeichen der Teilung besser." Sämtliche Bäckereien erzeugen neben den kleinen "Laienhostien" weiters größere Priesterhostien sowie "Konzelebrationshostien" mit bis zu 15 cm Durchmesser.

Brot teilen

Für viele Klöster ist die Bäckerei ein wichtiges Einkommen. Die mittelalterlichen Hostieneisen sind meist schon Backmaschinen gewichen. Sr. Veronika, ganz Betriebswirtin: "Tausend Stück Hostien verkaufen wir um zwölf Euro fünfzig, das ist die Untergrenze, da ist wirklich viel Handarbeit dabei." In Mödling kosten tausend Stück 13 Euro. Die Pfarrer holen sich die Pakete an der Pforte oder lassen sich per Post beliefern. Ein Teil läuft auch über Bischofshöfe. Die evangelische Kirche bestellt ihre Hostien zentral in Mittelfranken, so Wiens Superintendent Werner Horn. Bei Lieferengpässen gibt man sich ökumenisch und holt sich Nachschub bei katholischen Herstellerinnen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 29.3.2002)

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