Der Suchmaschine etwas pfeifen

28. März 2002, 19:21
posten

Wunschmusik von MP3-Erfinder Fraunhofer

München - Quizsendungen wie "Erkennen Sie die Melodie?" haben künftig digitale Konkurrenz: Eine neue Entwicklung der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft, die auch das elektronischen Musikformat MP3 entwickelte, ermöglicht es, aufgrund einiger gesungener oder gepfiffener Takte das dazugehörige Musikstück in einer Datenbank zu finden.

Das "Query by humming" (Anfrage durch Summen) genannte System zur Melodieerkennung liefert ähnlich wie Internetsuchmaschinen nach dem Vorsingen eine nach Wahrscheinlichkeit gereihte Trefferliste der erkannten Melodien samt Informationen über Komponist, Interpret und Aufnahme.

"Fingerabdruck"

Der Computer, erklärt Franz Klefenz vom Fraunhofer-Institut, übersetzt die Schallwellen in eine Art "Fingerabdruck" der Melodie und vergleicht sie mit den gespeicherten Mustern. Bei einer Demonstration auf der CeBIT funktionierte das System aufgrund des großen Umweltlärms nur eingeschränkt: Der Ausschnitt wurde auf einer Musiktastatur vorgespielt und dann gesucht. Derzeit befinden sich rund 100.000 Titel in einer Datenbank des Fraunhofer-Instituts.

Fraunhofer hat noch ein anderes System zur Musikerkennung entwickelt, AudioID genannt. Dem Computer wird von einem Tonträger (MP3, CD) ein Ausschnitt vorgespielt, den er nach wenigen Sekunden des "Zuhörens" erkennt. Die Titel können nach unterschiedlichen Aufnahme- versionen unterschieden wer- den.

Was mit Musik geht, kann auch bei Sprache angewandt werden, um nach Wörtern oder Phrasen in Sprachaufnahmen zu suchen, erklärt Joachim Köhler vom Fraunhofer-Institut für Medienkom- munikation. So kann etwa aus dem Archiv der Reden im deutschen Bundestag nach einem gesprochenen Stichwort oder Stichwörtern gesucht und die entsprechenden Passagen vom Computer vorgespielt werden. (spu, DER STANDARD, Printausgabe 29.3.2002)

Share if you care.