Scheidung auf Italienisch

29. März 2002, 18:15
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Hürden beim Ausstieg der Telecom Italia aus der Telekom Austria

Wien - Ehe die ÖIAG und Telecom Italia beim angestrebten Ausstieg der Italiener aus der Telekom Austria (TA) zur Tat schreiten, müssen einige, nicht unwichtige Details geklärt werden. So zum Beispiel verfügt Telecom Italia (TI) für einen Minderheitseigentümer (29,8 Prozent) über ungewöhnlich große Mitbestimmungsrechte, dem Vernehmen nach über ein direktes Durchgriffsrecht.

Wird nun, wie derzeit geplant, das italienische Paket bei Finanzinvestoren "geparkt", dann müssten diese komfortablen Vorrechte zuvor "auf das für eine Sperrminorität übliche Maß zurückgestutzt werden", heißt es in TA-Unternehmenskreisen. Schließlich seien diese an eine dauerhafte strategische Partnerschaft gekoppelt. Und von einer solchen Partnerschaft könne angesichts des geplanten Ausstiegs keine Rede mehr sein.

Undankbare Verhandlungsarbeit

Diese undankbare Verhandlungsarbeit fällt dem zweiten TA-Hauptaktionär, der Staatsholding ÖIAG zu. Diese ist mit 47,8 Prozent kontrollierender Aktionär und kann TI den Verkauf ihrer Anteile bis Herbst 2003 verwehren. Dieses Recht sei allerdings nur bedingt als Atout einsetzbar, denn ein Partner, der kein Geschäftsrisiko mehr eingehen will und deshalb strategische Entscheidungen und Investitionen blockiert, darf für ein Unternehmen wie die Telekom Austria als eher "unpraktisch" eingestuft werden.

Zunächst aber steht, wie DER STANDARD bereits berichtete, der Rückkauf des von der TI-Handytochter Tim gehaltenen 25-prozentigen Aktienpakets an der Mobilkom Austria durch deren Mutter Telekom Austria an. Dies soll in der TA-Hauptversammlung am 12. Juni beschlossen werden.

"Verwertung"

Beim Preis für das Mobilkom-Paket seien sich die beiden schon recht nahe gekommen, verlautet aus ÖIAG-Kreisen. Eine Milliarde Euro, wie von TI erhofft, würden es jedoch nicht sein, denn es werde ein strategischer Abschlag in Abzug gebracht. Geht dies wie angepeilt über die Bühne, steht der Neuorganisation der TA-Gruppe in eine Festnetz- und eine Mobilfunksparte mit zugehörigem Vorstand sowie einer "Verwertung" der Mobilkom nichts mehr im Wege.

Denkbar sei etwa ein Börsegang, um die durch den Rückkauf bei der TA verursachten Schulden zu begleichen, sagt ein Insider zum STANDARD. (DER STANDARD, Printausgabe 29.3.2002)

Analyse von Luise Ungerboeck
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