Terrorismus: Proteste und neue Warnungen

28. März 2002, 19:28
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Italien: Anschläge auf Touristen befürchtet

Rom - Die US-Botschaft in Rom hat vor Attentaten islamischer Extremisten in Italien gewarnt, besonders in den Kulturstädten Venedig, Florenz, Mailand und Verona sollten US-Bürger achtsam sein, Restaurants und Plätze, auf denen öffentliche Veranstaltungen stattfinden, sollten gemieden werden.

Im Innenministerium ist man "überrascht" über die amerikanischen Warnungen, man habe außergewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen für die Osterfeiertage getroffen; die Polizei habe aber keinerlei Hinweise auf tatsächliche Gefahren gefunden. Innenminister Claudio Scajola werde jedenfalls wie geplant seinen Osterurlaub antreten.

Am Mittwochabend indes haben in ganz Italien wieder Hunderttausende Menschen an den Demos der Gewerkschaften gegen den Terrorismus der Brigate Rosse teilgenommen. Auf der Kundgebung in Rom kritisierten die Gewerkschafter neuerlich die Regierungspolitik, die das Land spalte. Premier Silvio Berlusconi habe den Mord am Arbeitsrechtler Marco Biagi schamlos für seine politischen Zwecke nutzen und die Arbeit der Gewerkschaften diskreditieren wollen. Die Gleichsetzung des Gewerkschaftsprotests mit dem Terrorismus der Roten Brigaden werde sich nicht rechnen, so Gewerkschaftschef Sergio Cofferati.

Neues Bekenntnis

Neben den "Roten Brigaden für den Aufbau der Kämpfenden Kommunistischen Partei" haben auch die "alten" Roten Brigaden am Donnerstag die Verantwortung für den Mord an Marco Biagi übernommen. Während eines Prozesses gegen mehrere seit Jahren einsitzende und wegen anderer Vergehen bereits verurteilte Terroristen des harten Kerns der Organisation verlasen die Angeklagten im Gerichtssaal zwei Dokumente, in denen sie den Mord rechtfertigten.
Kopf des Tages Seite 36

Von STANDARD-Korrespondent Andreas Feichter aus Rom
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