Türkei gibt Verantwortung für Tod zweier militanter Linker zu

28. März 2002, 16:52
posten

Schadensersatz für Familie eines Opfers - Gütliche Einigung in Verfahren vor Europäischem Menschenrechtsgerichtshof

Straßburg - Die Türkei hat die Verantwortung für den Tod zweier Mitglieder einer militanten kommunistischen Gruppe zugegeben, die vor elf Jahren bei einem Polizeieinsatz erschossen wurden. Wie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Donnerstag in Straßburg mitteilte, will Ankara den Angehörigen eines der Opfer Schadensersatz in Höhe von 76.224 Euro zahlen. Nach dieser gütlichen Einigung wurde die Klage der Familie zu den Akten gelegt.

Den Angaben zufolge hatte die türkische Polizei am 19. Mai 1991 in Istanbul die Wohnung zweier Mitglieder einer illegalen bewaffneten marxistischen Gruppe gestürmt, die damals für mehrere Attentate verantwortlich gemacht wurde. Bei der Operation wurden der Mann und die Frau erschossen. Die Polizisten wurden später freigesprochen, weil sie nach Auffassung der türkischen Justiz in Notwehr handelten.

Dagegen klagte die Familie des getöteten Mannes vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg. Sie verwies auf die Aussage einer überlebenden Zeugin, wonach die beiden gezielt getötet wurden. In einem Schreiben an den Gerichtshof gab Ankara nun zu, die Polizisten hätten "unverhältnismäßige Gewalt" ausgeübt und damit gegen das Grundrecht auf Leben verstoßen.(APA)

Share if you care.