Frauenfalle "Künstler- sozialversicherung"?

28. März 2002, 15:57
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IG BILDENDE KUNST: Kunstschaffende Mütter schauen durch die Finger

Zu einer Infoveranstaltung und Podiumsdiskussion zum Thema "KünstlerInnensozialversicherung" lud die IG BILDENDE KUNST, besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Situation von Künstlerinnen mit Kind gelegt.

Ungleichbehandlung von kunstschaffenden Müttern

Eine hitzige Diskussion löste Dienstag Abend die Ungleichbehandlung von kunstschaffenden Müttern aus. Künstlerinnen können zwar ebenso vier Jahre als Kindererziehungszeit für die Pension angerechnet bekommen, eine Ruhiglegung der Versicherung ist für Künstlerinnen aber nicht möglich. Wird die künstlerische Tätigkeit für diesen Zeitraum lediglich reduziert, dann aber ein Jahreseinkommen von 3.815 Euro unterschritten, geht der Zuschuss zum Pensionsversicherungsbeitrag aus dem Fonds verloren und die Mütter werden mit finanzieller Mehrbelastung bestraft.

Entschließt sich eine Mutter also, ihre Arbeit als Künstlerin fortzusetzen, können wiederum die Anrechnungszeiten für die Kindererziehung nicht genutzt werden, da für ein und den selben Zeitraum schließlich nicht doppelt Beitragszeiten gesammelt werden können.

Geringe Kosten

Die IG BILDENDE KUNST schätzt die Zahl der Betroffenen als ziemlich gering ein, und somit auch den potentiellen Kostenfaktor für eine dementsprechende Lösung. "Was es braucht ist also rein der politische Wille, hier einen positiven Akzent für die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Künstlerinsein zu setzen", meint sie in einer Aussendung.

Ebenso sei es zu "unangenehmen" Pannen in der Sozialversicherungsanstalt (SVA) gekommen. Wie Dr. Thomas Richter (Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft) berichtete, ist es aufgrund eines technischen Problems zur Zeit nicht möglich, die Zuschüsse zum Pensionsversicherungsbeitrag aus dem "Künstlersozialversicherungsfonds" zu verbuchen. Die Vorschreibungen für das erste Quartal 2002 werden zwar in voller Höhe erfolgen, eine ausgleichende Gegenbuchung kann erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen werden. Man hoffe, dieses EDV-Problem bis zum zweiten Quartal im Griff zu haben. Wie Dr. Richter betont, stehen die TechnikerInnen bereits im Dauereinsatz, sind aber wegen der Euro-Umstellung an unzähligen Programmen völlig ausgelastet.

Um eine vorübergehende finanzielle Mehrbelastung zu vermeiden, haben die betroffenen KünstlerInnen die Möglichkeit, von der Beitragsforderung der Sozialversicherungsanstalt den bewilligten Zuschuss aus dem "Künstlersozialversicherungsfonds" in Eigenregie abzuziehen. Eine vorherige Bekanntgabe bei der SVA ist allerdings notwendig, damit ansonst folgende Mahnungen rechtzeitig verhindert werden können.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für alle Kunstschaffenden:

Ebenso wird in der Aussendung betont, dass der "Künstlersozialversicherungsfonds" 2001 mehr Geld lukrieren konnte als erwartet, nämlich 7,27 Mio Euro statt 6,1 Mio Euro. Bis Juni 2002 müsse der Fonds einen Budgetplan für das nächste Jahr erstellen und im Bundeskanzleramt präsentieren. Bei diesem Termin, so Mag. Prof. Franz-Leo Popp (Geschäftsführer des Künstlersozialversicherungsfonds) werde der Fonds auch Vorschläge für die Verwendung der Mehreinnahmen (einstweilen 1,17 Mio Euro) machen.

Die Kulturpolitische Kommission, in der alle unabhängigen Interessensvertretungen von Kunst- und Kulturschaffenden vertreten sind und deren Mitgliedsverbände zur Zeit Basisbefragungen zur Zufriedenheit mit dem Sozialversicherungssystem durchführen, fordert eine unbedingte Miteinbeziehung in diesen Diskussionsprozess. Grundlage für Vorschläge werden die Umfrageergebnisse sein, die aus erster Hand klare Auskunft über die Bedürfnisse der betroffenen KünstlerInnen geben.

(red)

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