Heimischer HipHop ...

28. März 2002, 17:46
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... und das Erbe von Bill Withers: Neue CDs

Von Karl Fluch

WAXOLUTIONISTS
Plastic People

(EMI)
Ziemlich breit kommt das Album Plastic People der Wiener Waxolutionists daher: Stoner-Grooves - ohne deshalb gleich in Cypress-Hill-Brabbel-Attacken zu verfallen - erscheinen hier als gut in sich selbst ruhender HipHop. Stellenweise ruht man etwas zu sehr, positiv interpretiert könnte man das aber auch als homogen bezeichnen. Dafür ersparen einem die Waxos jene peinlichen Texte, wie man sie aus dem überschätzten deutschen HipHop kennt. Auf seine Art erscheint Plastic People durchaus als "Tha Real Thing", zumal sich das Album dieses Prädikat nicht ständig selber umhängt und auch das bei Jungmännern weit verbreitete Dicke-Eier-Image ausspart: Right on!

URBS & CUTEX
Breaks Of Dawn

(Black Market)
Stark der Old School des HipHop verpflichtet geben sich die beiden Wiener DJs Urbs & Cutex auf der Mix-CD ihres im Vorjahr erschienenen Albums Breaks Of Dawn. Dabei gelingt es ihnen, trotz Equipements aus der Steinzeit der Studiotechnologie, jene Eleganz und Sexyness zu produzieren, die sich nicht in aalglatten Industrie-Beats niederschlägt. Nein, hier sind noch immer jener fanatische Eifer und jene hypnotische Faszination von HipHop spürbar, die diese CD bei aller Imperfektion weit über das erheben, was sich sonst heutzutage HipHop schimpft: Urbs & Cutex sind die wirklichen Freaks, weil immer noch Fans. Fuck perfection anyway!

JOSEPH MALIK
Diverse

(Black Market)
Dass Joseph Malik auf dem deutschen Compost-Label veröffentlicht (The Future Sound Off Jazz, Teil I bis Schnarch), lässt sich eventuell als Suche nach einem Ausweg aus der Sackgasse des Lounge-Downbeat-Brasil-Lulu-Jazz-Gedudels deuten. Dabei ist der Schotte Malik nicht der große Erneuerer, der Downbeat und seine Kinder aus dem Sumpf der Austauschbarkeit zieht. Vielmehr blickt er in die Vergangenheit, erspäht dort den Folk-Soul-Barden Bill Withers (Ain't No Sunshine, der!), covert ihn und rückt auch den Rest des Albums formal in Withers Nähe: Zu leger geschlagener Akustikgitarre stellt er zurückhaltende Grooves, streut verhalten Drum-and-Bass-Charakteristika ein und croont dazu sehr überzeugend.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 3. 2002)

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