Erlebnishotels - Abenteuer der Nacht

29. März 2002, 17:03
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Manchmal werden dem Reisenden auch die wunderbarsten Annehmlichkeiten der herkömmlichen Hotels zu fad. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, eine Erlebnisherberge im Blätterdach des Dschungels oder im arktischen Eis zu buchen.

Der Fahrstuhl hinauf zum Hotelzimmer fährt langsam, hat keine Seitenwände, bietet Platz für nur eine Person und baumelt zwischen Urwaldbäumen. Sein Dach ist nichts als Dekoration und lässt den Tropenregen hindurchtrommeln. Zwanzig Meter tiefer ziehen die Liftboys einen Flaschenzug, um das eigentümliche Konstrukt nach oben zu hieven. Der klatschnasse Gast im Bambuslift strahlt gleichwohl: Ankunft im Baumhaus-Hotel, mitten im südindischen Dschungel, wo in dreißig Metern Höhe ein Himmelbett bereitsteht.

Suche nach dem Besonderen

Je kurioser ein Hotel ist, desto größer ist das Interesse, desto besser oft die Buchungslage. Immer mehr Reisende sind bereit, für ungewöhnliche Quartiere tief in die Tasche zu greifen. Das Erlebnishotel selbst ist der Anlass der Reise. Mangelnder Luxus schadet da überhaupt nicht. Gerade Urlauber mit gut gefüllter Reisekassa sind offenbar zusehends die austauschbaren Hotels leid.

Südindien: Green Magic Nature Resort

Dschungel-Hotelier Babu Varghese im südinidischen Vithiry jedenfalls kann sich über Belegungssorgen im "Green Magic Nature Resort" nicht beklagen. Seine einfachen und mehrmals mit Umweltpreisen gewürdigten Baumhauszimmer kosten etwa 71 Euro pro Person und Nacht und kommen auf über 90 Prozent Auslastungsrate - ein Wert, der die Manager normaler Stadthotels vor Neid erblassen lässt, deren Belegung liegt im Jahresschnitt meist zwischen 55 und 65 Prozent.

Iglu-Hotel in Nordfinnland

Auch Jussi Eiramos ungewöhnliches Hotel in Nordfinnland ist umweltpreiswürdig und zudem so verrückt, dass es den Winter über durchwegs ausgebucht ist - bei Preisen von 206 Euro fürs Doppel-und 320 Euro fürs Vierbettzimmer, Frühstück inklusive. Das Anwesen ist recycelbar, schmilzt jeden Sommer davon und wird jeden Winter neu gebaut: ein Iglu-Hotel aus dem Eis des Kakslauttanen-Flusses. Die Gäste kommen aus Mittel- und Südeuropa, sogar aus Dubai, aus Australien, Argentinien und China. "Das sind Leute, die schon viel erlebt haben, nach etwas Besonderem suchen und bereit sind, dafür gut zu bezahlen", sagt Eiramo. Eishotels gibt es inzwischen in mehreren Ländern Skandinaviens, in Grönland und Kanada. Vorreiter war das ehemalige "Best Western Hotel" im nordschwedischen Jukkasjärvi.

Jules Undersea Lodge: Tauchschein vor Einzug

Den Ideen in der Erlebnishotellerie sind kaum Grenzen gesetzt. Es gibt nichts, was sich nicht irgendwie zum kuriosen Hotel umfunktionieren ließe: Bunker in den Alpen, Minen im australischen Opalschürfergebiet von Coober Pedy, Erdhöhlen im tunesischen Matmata. Selbst technische Hürden halten finanzkräftige Reisende nicht mehr davon ab, in kuriose Quartiere einzuchecken: Wer in "Jules Undersea Lodge" in den Florida Keys sein Zimmer beziehen will, muss erst den Tauchschein machen und allein dafür 75 Dollar berappen. Das ist zur Sicherheit und zum Vorteil der Bilanz Vorschrift, denn die Zimmer liegen auf dem Meeresgrund in neun Metern Tiefe, eingerichtet im Metallbauch einer stillgelegten Unterwasser-Forschungsstation. Ab 250 Dollar kostet der Spaß pro Nacht, und trotz des Preises ist die Warteliste lang, rechtzeitige Reservierung ratsam.

Hotels auf Pontons - den Fischen so nah

Den Fischen und Korallen nah ist auch die "Aqua Lodge" vor der mexikanischen Isla Mujeres. Jedes Hotelzimmer dümpelt auf einem Ponton, ist bei schlechtem Wetter am Kai vertäut und wird bei besseren Bedingungen dahin verlegt, wo es am schönsten ist, direkt ans Riff zum Beispiel. Hotels auf Pontons sind nicht nur originell und stark nachgefragt, sondern bergen für den Investor ungeahnte Möglichkeiten: Sie können dort verankert werden, wo keine Grundstücke zu erstehen sind oder Bauverbot gilt.

Vancouver Island: Randy Goddards Floß-Hotel

Randy Goddard ist dieser Glückstreffer gelungen: Er hat sein 16-Zimmer-Hotel auf einem großen Floß errichtet und im Naturschutzgebiet Clayoquot Sound an der Küste von Vancouver Island Anker werfen lassen. Ein Steg verbindet das dümpelnde Zimmermannswerk mit dem Festland, mit unberührter Natur weit abseits vom Rummel. Das kanadische Recht verbietet, auf sogenanntem Crown Land zu bauen, aber es enthält keine Klausel, die es Booten verwehrt, in den Fjorden der Naturschutzgebiete Anker zu werfen. Randys Gäste reisen per Schnellboot oder Wasserflugzeug an. Eine Straßenverbindung gibt es nicht. Der größte Luxus an Bord ist die Natur drumherum und das, was Sternekoch Timothy May auf dem Hauptdeck jeden Abend zurechtbrutzelt. Knapp 210 Euro kostet die Nacht pro Person im Doppelzimmer, und die Buchungslage ist bestens.

Luzern: Nächte hinter schwedischen Gardinen

Mancherorts ist es nicht einmal ein Problem, wenn der Vorbesitzer einer Immobilie schwedische Gardinen an den Fenstern hinterlassen hat: Im schweizerischen Luzern ist 1998 das Zentralgefängnis in ein Hotel verwandelt worden. Mit Eisenstäben an den Fenstern, Zimmertüren aus Metall und Pritschen an der Wand. Insassen berappen für die Nacht hinter Gittern in der Doppelzelle ab 95 Euro. (Der Standard | Rondo | Helge Sobik)

Infos:

Green Magic Nature Resort, www.comtour.de

Igloo-Hotelli Kakslauttanen, www.travel.fi/int/
kakslauttanen


Jules Undersea Lodge, www.jul.com

Clayoquot Wilderness Resort, www.wildretreat.com

Gefängnis-Hotel Löwengraben, www.loewen
graben.ch
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