EU-Gelder für Forschungs- Infrastrukturen

28. März 2002, 10:29
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Wien - Die EU wird in ihrem 6. Forschungs-Rahmenprogramm erstmals in ihrer Geschichte Forschungs-Infrastruktur wie Computernetzwerke, Forschungseinrichtungen, etc. fördern. Vom Gesamtbudget des Programms (2002-2006) in Höhe von 17,5 Milliarden Euro sind 665 Mill. Euro für solche Vorhaben reserviert. Außerdem wurde ein Beratungsorgan für die EU-Kommission eingerichtet, das "Europäische Forum für Infrastrukturen". "Damit wird es erstmals eine koordinierte Vorgangsweise und eine europäische Strategie in diesem Bereich geben", erklärte der Chef der Forschungssektion im Bildungsministerium, Raoul Kneucker, der Österreich in dem Forum vertritt.

Bisher hat sich die EU nie zu gemeinsamen Infrastrukturen im Forschungsbereich entschlossen. Großforschungseinrichtungen wie das Laboratorium für Teilchenphysik CERN oder Organisationen wie die Weltraumagentur ESA basieren auf multilateralen Verträgen und haben mit der EU nichts zu tun. Diese ablehnende Politik habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend als nicht zweckmäßig erwiesen, erklärte Kneucker den nun erfolgten Meinungsumschwung.

Da nicht alle Mitgliedsländer einer Meinung waren, war dafür ein Kompromiss notwendig, der von einer sogenannten High Level Group bestehend aus den höchsten Beamten der Mitgliedsländer ausgearbeitet und nun einstimmig angenommen wurde. Die gemeinsame Lösung sieht so aus: Die Kommission soll Infrastrukturen nicht selbst schaffen. Sie kann sich aber an Initiativen von Mitgliedsländern beteiligen und diese in der Anfangsphase auch organisatorisch und finanziell unterstützen. Im 6. Rahmenprogramm werden dafür 665 Mill. Euro zur Verfügung stehen. 200 Mill. Euro davon sind für den Aufbau der nächsten Generation eines internationalen Informationsnetzwerks ("GRID") reserviert.

Außerdem wurde, um zu einer gemeinsamen Strategie in Europa zu kommen, das "Europäische Forum für Infrastrukturen" geschaffen, in dem alle Mitgliedsstaaten gleichberechtigt vertreten sind und auch die Beitrittskandidaten berücksichtigt werden. Für Kneucker ist das ein "gewaltiger Fortschritt", haben doch bisher oftmals die großen Mitgliedsländer informell Vorentscheidungen getroffen.

Österreich habe diese Entwicklung mit großem Engagement betrieben und die nun erfolgte Einigung sei ein großer Erfolg, betonte Kneucker. Dies war nicht ganz uneigennützig, denn Österreich hat mit der geplanten internationalen Großforschungseinrichtung AUSTRON ein Projekt, das sich für eine Infrastrukturförderung durch die EU anbieten würde. Tatsächlich findet sich die Neutronenquelle AUSTRON als eines mehrerer Beispiele im Schlussbericht der High Level Group, die "dringend" entschieden werden müssten. Diese Liste zeigt aber auch deutlich, dass eine EU-Förderung für AUSTRON bei weitem noch nicht fix ist. Denn erwähnt sind auch zahlreiche andere attraktive Projekte wie der deutsche Plan, mit "TESLA" den ersten Röntgenlaser zu bauen, ein europäisches Forschungsschiff, neue astronomische, geophysikalische und meteorologische Observatorien, etc.(APA)

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