Atypische Beschäftigungsformen machen gar nicht so glücklich

29. März 2002, 11:10
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Vor allem Frauen betroffen - Bartensteins Freude über die Entwicklung will AK nicht teilen

Wien - Die Mehrheit der Betroffenen ist mit ihren atypischen Beschäftigungsverhältnissen zufrieden, nur fünf Prozent wirklich unzufrieden. Das hat Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein im Dezember des Vorjahres konstatiert und sich auf eine Studie bezogen. Dieses umfangreiche Werk gab es bisher nur in einer Kurzversion, am Mittwoch wurde die Langfassung, der sogenannte "Endbericht" veröffentlicht. Für die Arbeiterkammer ist die Bartenstein-Aussage über die angebliche Zufriedenheit "unseriös".

33,1 Prozent zufrieden

Von den Geringfügig Beschäftigten waren 33,1 Prozent "sehr zufrieden", 50,2 Prozent "zufrieden", 12 Prozent "weniger zufrieden" und 4,7 Prozent "gar nicht" zufrieden. Die Werte bei den Freien Dienstnehmern sind ähnlich. Das ergab für Bartenstein nur fünf Prozent wirklich unzufriedene Befragte. Dass man das so nicht rechnen könne, darüber ist sich Doris Lutz von der AK-Frauenabteilung sicher. Erstens könne man "wenig zufriedene" nicht zur Gänze zu den "zufriedenen" zählen, zweitens fehle den Befragten jede Vergleichsmöglichkeit, auch weil sie die Auswirkungen ihrer Tätigkeit erst in der Pension spüren.

Atypische Beschäftigung zu kurz praktiziert

Damit spricht Lutz ein Problem an. Die atypische Beschäftigung wird als Arbeitsform noch zu kurz praktiziert, um wirklich gesichertes Datenmaterial zu haben. In der Studie (Fink, Riesenfelder, Talos, Lechner, Reiter und Riesenfelder Sozialforschungs OEG "Atypische Arbeitsverhältnisse") wird daher klar auf drei Punkte verwiesen:

  • es gibt kaum neue, umfassende Untersuchungen

  • vorhandene Daten lassen oft Zweifel aufkommen an ihrer Güte

  • Auswirkungen auf Grund von Neuerungen im Sozialversicherungsbereich sind nicht umfassend analysiert. Gesichert ist, dass die Zahl der freien Dienstverhältnisse bis Anfang 2001 kontinuierlich angestiegen ist, seither stagniert.

    Lutz: "Die Motivenlage für die Betroffenen ist noch viel zu wenig erforscht, die Gestaltungsmacht nicht berücksichtigt" - es werde also nicht darauf eingegangen, dass die Frauen, die ja meistens betroffen sind, nicht selbst bestimmen können über das Wie und Wann ihrer Arbeit, sondern "sie werden bestimmt".

    Überqualifizierung wird Thema

    Auch werde immer mehr eine Überqualifizierung der Betroffenen deutlich und, so die AK-Expertin, es muss künftig auch unterschieden werden zwischen Frauen mit einem Ehemann und dem entsprechenden Einkommen im Rücken und allein Stehenden. Erst wenn all diese Faktoren analysiert und in Zahlen sowie Rückschlüssen eingeflossen sind, könne man eine wirkliche Bewertung vornehmen. "Aber jetzt zu sagen, nur fünf Prozent sind wirklich unzufrieden, das ist unseriös".

    Die Studienautoren weisen darauf hin, dass trotz vielfältiger Mehrfacheinkommen zwei von drei geringfügig Beschäftigten monatlich insgesamt unter 363 Euro verdienten. Also trotz mehrerer Arbeitsstellen ein so geringes Einkommen erzielten, dass es als "prekär" eingestuft wurde. Die freien Dienstnehmer verfügten im Schnitt über mehr Geld, aber: der größte Teil ihres monatlichen Einkommens wurde durch andere Beschäftigungen erzielt.

    Geschlechtsspezische Unterschiede fallen in beiden Bereichen zu Lasten der Frauen aus.
    (APA)

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