Was tut ein Osterei, wenn man es anschubst?

30. März 2002, 19:49
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Es richtet sich auf - und warum das so ist, wurde nun in "Nature" veröffentlicht

London - Und noch einmal (siehe "Warum brummen Hochspannungsleitungen?") konfrontieren wir Sie mit einem Phänomen aus dem Bereich "Wissenschaft und Alltag" - diesmal mit jahreszeitlichem Einschlag. Was tut ein (gekochtes) Osterei, wenn man es mit einem kräftigen Schubs in Rotation versetzt? Es richtet sich auf. - Dass es das wirklich tut, haben wir übrigens im redaktionsinternen Versuch nachgeprüft.

Der Frage, wie es dazu kommt, sind nun Mathematiker in der aktuellen Ausgabe des britischen Wissenschaftsmagazins "Nature" ernsthaft nachgegangen - und haben den zugrunde liegenden Effekt auch gefunden und berechnet: Es sind vor allem Reibungskräfte, die dem gekochten Ei in die Vertikale verhelfen.

Kreiselkräfte

Wird ein auf dem Tisch liegendes Ei angestoßen und dreht es sich, entstehen Reibungskräfte. Die versetzen dem Ei kleine Stöße, durch die es sich ruckweise ein wenig aufrichtet. An diesem Punkt werden Kreiselkräfte entlang der Achse des Eis wirksam. Sie lenken die durch die horizontale Drehung des Eis entstandenen Kräfte um und werden so immer stärker - bis das Ei sich aufrecht um die eigene Achse dreht.

Die mathematischen Berechnungen der beiden Wissenschafter füllen zwei Seiten; Drehimpuls, Reibungskräfte, Winkelgeschwindigkeit und Kreiselbalance sind in Formeln gefasst. In ihrer Freizeit haben Keith Moffatt von der Universität Cambridge in Großbritannien und Yutaka Shimomura von der Keio-Uni in Yokohoma in Japan sich über die Dreh-Eier den Kopf zerbrochen.

Einsatz nach Leibeskräften

"Meine Frau ist schier verrückt geworden, weil ich auf der Suche nach Eiern für die Experimente ständig den Kühlschrank geplündert habe", berichtet Moffatt. Nach sechs Monaten hatten sie das Rätsel geknackt.

Mit rohen Eiern funktioniert der Trick allerdings nicht. Das liegt daran, dass das zähflüssige Eiweiß die ganze Energie, die für das Kreiseln benötigt wird, absorbiert. Und die Oberfläche, auf der das Ei in Schwung gesetzt wird, darf nicht zu glatt sein, denn dann kann keine Reibung entstehen.

Das Eier-Rätsel habe ihn seit Jahren gefesselt, sagt Moffatt. Welchen praktischen oder gar wirtschaftlichen Nutzen das Forschungsergebnis haben könnte, kann Moffatt übrigens nicht sagen (wir auch nicht). "Ich hielt es einfach für ein nettes, lustiges Problem." (APA/red)

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