Argentinien denkt offenbar über Wechselkursfreigabe des Peso

28. März 2002, 09:21
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Kredit über fast 700 Millionen Dollar

Buenos Aires - Argentiniens Präsident Eduardo Duhalde überprüft nach Informationen aus Regierungskreisen die Wechselkurspolitik des Landes. Nach der Freigabe des Peso, der bis Jahresbeginn fest im Verhältnis von eins zu eins an den US-Dollar angebunden war, hat der Peso stark an Wert verloren und Inflationsgefahren heraufbeschworen. Aus den Regierungskreisen verlautete am Mittwoch in Buenos Aires, Präsident Duhalde denke an die Einführung eines Wechselkursbandes oder sogar an die Rückkehr zu einer festen Anbindung des Peso.

Seit Jänner hat der Peso etwa 67 Prozent seines Wertes verloren. Angesichts schnell steigender Preise haben Supermärkte damit begonnen wichtige Güter wie Reis oder Zucker zu rationieren. Dies könnte die Proteste in der Bevölkerung noch anheizen.

Im Umfeld von Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov wurde allerdings bestritten, dass größere Änderungen in der Wechselkurspolitik geplant seien. In den Regierungskreisen hieß es allerdings, der Präsident stelle seine Überlegungen außerhalb des Teams von Wirtschaftsminister Remes Lenicov an. Eine Möglichkeit sei, den Peso an einen Währungskorb von US-Dollar, Euro und brasilianischem Real zu binden.

Peso stabil

Eine andere Überlegung sei, den Peso in einem Kursband schwanken zu lassen und die Notenbank zu Interventionen zu veranlassen, falls die Währung aus dem Band ausbrechen sollte. Schließlich könnte der Peso auch wieder fest an den Dollar, dann aber in einem Verhältnis von etwa 2,0 bis 2,5 Peso je Dollar, angebunden werden, hieß es in den Kreisen weiter.

Der Peso hielt sich nach den starken Einbrüchen am Freitag und Montag am Dienstag und Mittwoch - auch dank Eingriffen der Notenbank - stabil bei Kursen um 3,05 Peso je Dollar. Ab Anfang April will Argentiniens Regierung weitere Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über eine Wiederaufnahme der finanziellen Unterstützung des Landes verhandeln.

Die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank (IADB) gewährte dem Land unterdessen Kredite über 694 Millionen Dollar (794 Mill. Euro). Gemeinsam mit Mitteln der argentinischen Regierung stehen nun über eine Milliarde Dollar bereit, um Hilfen für Familien zu verbessern und Infrastrukturmaßnahmen zu starten. Man werde werde die Entwicklung in Argentinien sogfältig weiter beobachten, erklärte IADB-Präsisdent Enrique Iglesias nach der Bewilligung der Kredite. Er sei von den Fortschritten in den Gesprächen zwischen IWF und Argentinien ermutigt. (APA/Reuters)

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