Kirch-Investoren bieten Springer Beteiligung an

28. März 2002, 08:44
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Leo Kirch an Minderheitsposition nicht interessiert

London - Im Zuge der geplanten Neuordnung des Gesellschafterkreises bei der vor dem Ende stehenden deutschen Mediengruppe KirchMedia haben Investoren nach Informationen der Zeitung "Financial Times" dem Axel Springer Verlag eine Beteiligung angeboten. Der Verlag prüfe den Vorschlag, einen Teil seiner Forderungen gegenüber Kirch im Volumen von 767 Millionen Euro gegen eine Minderheitsbeteiligung bei Kirchmedia einzusetzen, berichtete die Zeitung am Donnerstag. Mit einer Beteiligung von Springer könnten auch Sorgen in der Politik beseitigt werden, KirchMedia gerate in ausländische Hände, hieß es weiter.

Lastenverteilung im Mittelpunkt

Nach dem Zeitungsbericht wollen Gläubiger und Investoren am Donnerstag weiter über eine Lösung beraten, wobei die Lastenverteilung im Mittelpunkt steht. Seit Tagen verhandeln die vier Gläubigerbanken Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, DZ Bank und Commerzbank mit den Kirch-Minderheitsgesellschaftern um den US-australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch und der italienischen Mediaset über die Kontrolle der Filmproduktions- und Rechtehandelsgesellschaft KirchMedia.

Bisher gilt es als wahrscheinlich, dass die Gesellschafter im Zuge einer Kapitalerhöhung die Mehrheit an KirchMedia übernehmen, die Banken aber mit mindestens 25 Prozent bei der Filmgesellschaft einsteigen. Firmengründer Leo Kirch ist nach Angaben aus ihm nahe stehenden Kreisen bereit, sich aus KirchMedia vollständig zurückzuziehen, fordert dafür aber den Löwenanteil der Verwertungserlöse für die Fußball WM 2006 in Deutschland.

Liquiditätskonzept

Es sei allen klar, dass KirchMedia von der Insolvenz bedroht sei, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Kirch habe jedoch den Banken ein abgeändertes Liquiditätskonzept vorgestellt, nach dem KirchMedia für die nächsten sechs Wochen nur rund 150 Millionen Euro an kurzfristiger Finanzierung benötige statt wie bisher angenommenen 230 Millionen Euro.

An Minderheitsposition nicht interessiert

Leo Kirch verabschiedet sich nach einem Bericht des "Handelsblatt" von Donnerstag offenbar ganz aus seinem Unternehmen KirchMedia GmbH & Co KGaA, Ismaning. Am Mittwoch sei aus dem Konzern verlautet, Kirch habe kein Interesse an einer Minderheitsposition. Derzeit würden Gespräche darüber geführt, wie der 75-Jährige entschädigt werden könnte. Noch hält der Gründer mit seinem Sohn Thomas 80 Prozent an seiner Kernfirma. Sollte es zu der geplanten Kapitalerhöhung von bis zu 800 Millionen Euro kommen, sinke Kirchs Anteil auf unter 50 Prozent.(APA/Reuters)

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