Blutbad von Nanterre war geplant

28. März 2002, 14:01
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Für Staatsanwaltschaft kein Anfall von Wahnsinn

Nanterre - Der Amokläufer von Nanterre soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die Bluttat geplant haben. Gegen den 33- jährigen Richard Durn werde ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und Mordversuches eröffnet, sagte am Mittwoch der Staatsanwalt von Nanterre, Yves Bot. "Er hat nicht in einem Anfall von Wahnsinn gehandelt". Am Donnerstag soll Durn von Psychiatern untersucht werden.

Der 33-jährige Richard Durn hatte in der Nacht zum Mittwoch im Rasthaus des Pariser Vorortes acht Kommunalpolitiker erschossen und 19 Menschen verletzt, 14 von ihnen schwer.

Thema im Präsidentschaftswahlkampf

Das Blutbad im Rathaus von Nanterre löste in Frankreich Entsetzen und eine Welle des Mitgefühls für die Angehörigen der Opfer aus. Politiker der großen Parteien äußerten ihre Trauer und Bestürzung. Befürchtet wurde, dass die Tat zum Thema im Präsidentschaftswahlkampf wird. Gewalt in den Städten steht an oberer Stelle der Sorgen der Franzosen.

Hunderte Menschen hatten sich am Mittwoch vor dem Rathaus von Nanterre aus Solidarität mit den Opfern versammelt. Im Kugelhagel des Amokläufers starben vier Männer und vier Frauen im Alter zwischen 30 und 58 Jahren - vier Kommunisten, drei Konservative und ein Grüner.

"Ich wollte meinem Leben ein Ende setzen", gab der aus Slowenien stammende arbeitslose Täter nach Angaben der Polizei bei der Vernehmung an. "Mein Sohn nahm Antidepressiva und sprach oft davon, sich das Leben zu nehmen", sagte die 65-jährige Mutter Durns. "Er hatte keine Freunde, keine Arbeit und kam sich wie Dreck vor."

Der Staatsanwalt vermutet als Ursache "ein Gefühl des persönlichen Versagens", für das der Täter die Gesellschaft und besonders die Gemeinde Nanterre verantwortlich gemacht habe.(APA)

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