Deutsche und Tschechen einigen sich über Gräberpflege in Tschechien

28. März 2002, 07:05
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Finanzielle Mittel für über tausend sudetendeutsche Friedhöfe

München - Deutschland und die Tschechische Republik haben sich über die Pflege von Friedhöfen und Gräbern geeinigt. Betroffen seien auf tschechischem Gebiet mehr als 1.000 Friedhöfe, in denen viele deutschsprachige Bewohner Böhmens und Mährens begraben seien, sagte der Generalsekretär der katholischen Ackermann-Gemeinde, Raimund Paleczek, laut Kathpress in München. Die Regelung sei ein "wichtiger Schritt nach vorne".

Sein Verband sehe darin einen "erfolgreichen Teil der Versöhnungsarbeit" mit den Tschechen, der "leider" im Augenblick von der Diskussion um die Benes-Dekrete überschattet werde, sagte Paleczek. Die Benes-Dekrete bildeten die Grundlage für die Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen und der ungarischen Minderheit aus der Tschechoslowakei. Der Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde, Walter Rzepka, hatte im Auftrag des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums zusammen mit dem tschechischen Senator Petr Moravec rund neun Monate verhandelt.

Deutsch-tschechoslowakischer Vertrag

Die Gespräche waren Teil der diplomatischen Bemühungen, den zehn Jahre zurückliegenden deutsch-tschechoslowakischen Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit umzusetzen. Ziel der Regelung ist es, das "Andenken an die Verstorbenen in Ehren zu halten" und die Gräber "in ihrer Bedeutung als Zeugen der Geschichte und der kulturellen Eigenart der Landschaft" zu achten. Alle Probleme sollten "im Geiste der Versöhnung" gelöst werden.

Friedhöfe in schlechten Zustand

Nach Angaben der Ackermann-Gemeinde sind viele der alten Friedhöfe in Tschechischen Republik in schlechtem Zustand; manche seien auch überhaupt nicht mehr vorhanden, weil die Gemeinden oder Dörfer nach der Vertreibung der deutschsprachigen Bewohner aufgelöst wurden. Wo keine Gräber oder Friedhöfe mehr existieren, sollen nach dem Willen der Kommission "zur Erinnerung an die Toten" Gedenktafeln in deutscher und tschechischer Sprache aufgestellt werden. Auf deutschem Gebiet finden sich vor allem Gräber tschechischer NS-Opfer wie etwa von Zwangsarbeitern, deren Pflege nun ebenfalls geregelt wird. Beide Seiten kündigten an, sich künftig auch verstärkt um ehemalige Friedhöfe von Juden und Roma zu kümmern. (APA)

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