Der Kirche "die Leere" nehmen

27. März 2002, 20:09
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Gespräch mit Markus J. Plöbst, Landpfarrer

Der bekannteste Kandidat der Pfarrgemeinderatswahl 2002 verfehlte den Einzug knapp. Sein relativ junger Pfarrer, Markus J. Plöbst, bedauert das: "Ich hätte mir gewünscht, dass ein Klaus Maria Brandauer in der Pfarre mitarbeitet und in den Pfarrgemeinderat kommt." Das Volk hat gegen den Wunsch des Pfarrers entschieden.

Der Pfarrer von Bad Aussee und Altaussee mag es nicht, wenn man ihn als "Prominentenpfarrer" hinstellt, denn er will für alle da sein. Aber es freut ihn, dass es ihm gelungen ist, mit einigen Prominenten in Kontakt zu treten. Denn durch Gespräche komme er auch auf neue Ideen.

"Die Leere der Kirche" - so betitelte Plöbst auch sein inzwischen vergriffenes Buch - war ihm Auftrag, diesen Umstand zu ändern: "Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich bemerkt habe, dass die Leute eine gewisse Sehnsucht nach kirchlicher und religiöser Orientierung haben." In seinen Gemeinden hat der Messbesuch wirklich zugenommen, eine Seltenheit in Zeiten wie diesen. Die Leute sind nicht weniger gläubig als früher, meint der Pfarrer: "Ich erlebe eine große Sehnsucht nach Idealen, Werten, nach Treue, nach Menschlichkeit, nach Toleranz, nach Ordnung im menschlichen Zusammenleben." Die Kirche sei den Menschen fremd geworden: "Wir haben deshalb an Attraktivität verloren, weil wir es nicht verstanden haben, die Botschaft einer Nächstenliebe, Menschenliebe, Feindesliebe in die heutige Zeit zu übersetzen."

Wie würde Pfarrer Plöbst reagieren, müsste er in Zeiten des Priestermangels noch eine Pfarre - Grundlsee käme in Frage - zusätzlich übernehmen? "Ich bin nicht Priester geworden, damit ich mich zurückziehe und es mir gut geht. Auch ein Arzt, der sagt, jetzt will ich nicht mehr die Kranken heilen, hat seinen Beruf verfehlt. Ich bin leidenschaftlich gern Priester."

Gibt es Reformbedarf in der Kirche, was den Priesterberuf anlangt? "Ich bin Priester geworden und wusste, was auf mich zukommt. Für mich passt es, und ich bin aus Überzeugung auch nach zehn Jahren noch gerne Priester. Ich bin mir nicht sicher, dass diese Reformen - Aufhebung des Zölibates, Frauenpriesterweihe und so weiter - tatsächlich so viel verändern würden. Es gibt eine Konfession, die hat diese Reformen. Sie hat aber dieselbe Problematik, nämlich den Glaubensschwund." (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 28.3.2002)

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