Geschreddertes Rind

28. März 2002, 21:35
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28. März 2002

Der Dokumentarfilm wird auf 3Sat hochgehalten. Kürzlich zum Beispiel wurde man im Zuge der sonntäglichen "Dokumentarfilmzeit" sehr eindringlich mit dem Ablauf von Landwirtschaft unter industriellen Produktionsbedingungen konfrontiert: Der Schweizer Regisseur Erich Langjahr, der seit 1992 an einer Trilogie über den Wandel bäuerlicher Arbeitswelten arbeitet, stellte 1998 deren zweiten Teil, "Bauernkrieg", fertig.

Von einem freundlichen älteren Herrn wurde man darin sehr bestimmt und eingehend mit den verschiedenen Schritten der künstlichen Befruchtung von Rindern vertraut gemacht - mit dem Umstand, dass die Samenlieferanten zwecks entsprechender Gestimmtheit täglich ein Stündchen im Kreis umgehen müssen, wie auch mit Gummivaginen und anderen Behelfsmitteln, die schlussendlich dafür sorgen, dass der Landwirt je nach Markterfordernissen Milch- oder doch eher Fleischlieferanten in den Stall stellen kann.

Nicht nur was, sondern vor allem auch wie Langjahr sein Sujet in Szene setzt, ist beachtlich: ohne Off-Kommentar, in langen, beobachtenden Einstellungen. Minutenlang laufen Innereien und andere Tierreste in der Tierkörperverwertungsanlage durch einen riesigen Schredder. Was am Ende übrig bleibt, ist feines rötliches Mehl mit weißen Knochenpartikeln.

Heute, Donnerstag, zeigt 3Sat übrigens Robert Adrian Pejos "Der Weg nach Eden", der die Arbeit eines Budapesters Leichenbestatters beschreibt. Eine irgendwie stimmige Programmierung. (irr/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28. März 2002)

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