"Sleep Sex": Eine bislang kaum erforschte Schlafstörung

31. März 2002, 20:00
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Unbewusste und teilweise gewalttätige sexuelle Annäherung während des Schlafs - US-Forscher erstellen Krankheitsbild

Stanford, Kalifornien - Forscher der Stanford University haben sich erstmals in einer Studie einem medizinischen Leiden gewidmet, bei dem Menschen während des Schlafes - teils gewaltsame - sexuelle Handlungen ausführen. Wissenschaftler bezeichnen das Leiden als "Sleep Sex". Psychiater und Verhaltensforscher der Stanford School of Medicine, Christian Guilleminault, vermutet, dass die Beschwerden von Störimpulsen der Gehirnwellen während des Schlafes stammen. Die Studienergebnisse werden in der März/April-Ausgabe des Fachmagazins "Psychosomatic Medicine" veröffentlicht.

Die in den Untersuchungen beobachteten nächtlichen Aktivitäten reichten von störendem Stöhnen bis hin zu vergewaltigungs-ähnlichen Handlungen. Unabhängig davon, wie ungewöhnlich das Verhalten oder die Tat während der Nacht auch verlief, die Patienten waren sich am nächsten Tag ihrer Handlungen nicht bewusst. Guilleminault teilte für die Studie die Probanden in drei Gruppen, abhängig vom Schweregrad ihres Verhaltens. Zwei Frauen der ersten Gruppe wiesen eine leichte Form der Störung auf, ihr Stöhnen belästigte lediglich den Partner. Die sexuellen nächtlichen Handlungen der zweite Gruppe führte bereits zu Blutergüssen und Muskelkater. Ein Mann brach sich Berichten zufolge zwei Finger, als er sich aus den Fängen eines Fixiergurtes zur Hemmung der nächtlichen Handlungen befreien wollte. Bei der dritten Gruppe kam es zu ungewollten sexuellen Übergriffen auf den Partner, der in einem Fall zu einem Strangulierungsversuch führte.

"Überraschend", so Guilleminault "ist die Dauer des abnormen Verhaltens und die Tatsache, dass die Patienten darüber Stillschweigen verübten". Ein Patient wusste bereits 15 Jahre über sein Leiden Bescheid. "Die Beschwerden sind medizinischer Natur", so der Psychiater. Seit den vergangenen zehn Jahren gehen Forscher aber von einer Art Schlafstörung aus. Tatsächlich gebe es dafür aber keine Beweise. "Obwohl die Fälle die Vermutung nahe legen, dass sie psychologischen Ursprungs sind", vermutet Guilleminault, dass das zugrunde liegende Problem den Schlaf betrifft. Die untersuchten Personen zeigten während einer Schlafphase aber auch bei kurzen Schlaf-Unterbrechungen ungewöhnliche Gehirnwellen-Muster. Videoaufzeichnungen und Geräuschaufnahmen haben ergeben, dass das "Schlaf-Sex"-Verhalten während dieser Phasen des Schlafzyklus auftrat. Zusätzlich waren ein Großteil der Patienten Schlafwandler.

Nicht unwesentlich ist für Guilleminault die Tatsache, dass alle Patienten emotionale Störungen aufwiesen. Er geht aber davon aus, dass auch ohne emotionale Probleme die zugrunde liegende Schlafstörung medizinisch zu erklären sei und spricht sich vehement für eine derartige Behandlung aus. (pte)

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